Ausgabe 
27.8.1765
 
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mb Uachrichien.

Fünf und Dreißigstes Stück.

Dienstags den iiun August 1765.

Mit Hochfürstl. Hessen-Darmstädtischer' gnädigsten Erlaubnis.

Betrachtungen über die Hmderm'sse und Seltenheit der wahren Freundschaft.

ena man die grosen und mannigfaltigen Vortheile erwägt, die eine treue und aufrichtige Freundschaft den Sterblichen gewährt; so sollte man denken, es könne nichts allgemeiner in der Welt feyn, als die wahre Freundschaft. Welch ein unschätzbares Gut ist ein recht-

fchafner Freund nicht! Er macht uns mit jedem Tage vollkommner, indem er alle unsre Handlungen beobachtet und uns bessert, so oft wir fehlen. Die menschenfreundlichen Gesinnungen, die er unserm Herzen einfiösset,* lehrt er uns beyjedem Vorfall ausüben. Im Glück iss er uns unentbehrlich, weil wir ohne ihn nicht glücklich seyn können, und weil wir ihn nöthig ha­ben, damit er uns immer an den rechten Gebrauch unsers Glücks erinnere. Im Unglück ist er unser Trost und in Verfolgungen unsre Stütze. Allein aller dieser Vortheile ungeachtet ist nichts seltner in der Welt als die wah­re Freundschaft. Woher kommt wohl diese Seltenheit? Warum sind so wenige zu einer dauerhaften Freundschaft fähig? Welche Hindernisse sind es, die Die meisten Menschen abhalttn, edle und grosmüthige Freunde zu werden? .

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