Ausgabe 
26.11.1765
 
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Gr'esische wöchentlich - gemeinnützige Anzeigen

verholet/ da fich dann solche Zeit über sehr heftige Schmerzen emstellen, Voran man sich aber nicht kehren muß, indem sich solche längstens in 7. Stunden verliehren. Hierauf nimmt man nach weiterem Verlauf, von etwan 4 Stunden? den Lappen hinweg, und schneidet mit einer scharfen Scheere die Spitze von der sich zeigenden weißen Blase ab, als welches man ohne Gefahr thun kann, nach diesem legt man ein heilendes Pflaster darauf, da der leidende Finger in wenigen Tagen wieder völlig hergestellet ist, Gegentheils aber sich die Cur des bösen Dings nicht selten ein viertel Jahr mit denen empfindlichsten Schmerzen aufhalt. Dieses Mittel hat eine Bauers Frau, die bereits an der einen Hand an allen Fingern die vordersten Glieder durch dieses Uebel verlohren gehabt, in der Angst, da es sich an der andern Hand geäusert, vorgekehrt und sich nicht nur selbstm sehr geschwind Hülfe verschaffet, sondern auch solches vielen andern Leuten vorgeschlagen, die es alle völlig bewahrt gesunden.

Nachricht, wie alte Obstbäume, damit sie tragen mögen-, 311 behandeln sind.

Als ich einem alten, erfahrnen, mir wohlgewogenen Gartner vor ei­nigen Jahren eröfnete, daß ich in meinem Küchengarten, zwey, wohl 20jährige Baume von der kleinen Muscateller. Birne hatte, die aber we­nig oder nichts trügen: riech er mir:

in den heissesten Tagen des Sommers, und in den heissesten Mit­tagsstunden, die Baumschäfte von Zweigen an, bis auf die Wurzel gänz­lich zu schalen.

Ich bezeigte meinem Freunde meinen Unglauben hierüber. Er führte mich aber in den Baumgarten, und zeigte mir einen alten Tümplingsbirn­baum, der wohl viermal dicker war, als meine kleine Muscatellerbirnbaume. Diesen hatte er, weil er (wie ich schon von des Gartners Herrn viele Jahre gehöret hatte) nichts getragen hatte, völlig, wie oben gemeldet, geschä- let, und der Stamm hatte wieder seine völlige glatte Schale. Wo er ins Holz zu scharf geschnitten hatte, (denn die ganze rauhe Schale, und die drunter stehende weiße Schale muß bis aufs Holz, ohne rifico rein abgeschälet werden) hatte die Schale einen kleinen Schmitz, daß die Scha­le nicht völlig zusammen gewachsen war. Er eröfnete mir, daß es davon herkäme , daß er bey Abschälung der Schale des Baums etwas zu tief ge­kommen, und ins Holz des Stammes geschnitten habe; unterdessen that es dem Stamme und seinen vielfältigen nunmehrigen Früchten nichts.

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