Ausgabe 
20.8.1765
 
Einzelbild herunterladen

rmd V7achn'chrett.

daß alsdenn ihr Wunsch noch etwas eher, als zu emer andern Zeit wahr werden kann. Es sind mir auch viele Exempe! bekannt, daß diejenigen, welche den Donner so oft rufen, bey entsiandnem Ungewitter vor andern am allerfurchtsamsten gewesen, und sich entweder mit Verstecken, oder Mik hervorgesuchten Wettergebethen, wider die Gefahr zu schützen gesucht

man die Ursachen untersuchet, warum die meisten zu fluchen gewohnt sind: so wird man finden, daß insgemein eine sastche Ehre da- bev zum Grunde liegt. Man bildet sich ein, durch das Fluchen seinen Worten einen Nachdruck, und sich ein Ansehen zugeben. Ern Menich, welcher sichs in den Kopf gesetzet, recht zu zeigen, daß er zu leben wisse, wrrd zehnerlei) Formeln im Vorrathe haben, mit welchen er fernen Wor­ten ein Gewicht geben kann, das sie an sich nicht haben wurden: p er wird so witzig seyn, daß er sich einbilden wird, ein Fluch , den man ent­weder gleich zu Anfänge, oder im Schlüffe emer Rede recht geschickt an­bringe, mache die ganze Rede erst recht manierlich. Mancher Harwva- ter macht sich durch das Fluchen bey den seinen furchtbar, und ern Offi- cier glaubet, seine Soldaten desto eher zum Gehorsam zu bringen, mehr er mit dergleichen Centnerschwehren Worten um sich wirft. Mit M-m ung-grünv-ken Vomrth-,1- trägt man sich- und daher kommt es, daß junge Leute, die Kunst zu Fluchen nachzuahmen suchen , und sie so gar für eine Art der Wohlredenheit ansehen. Es wird aber em jeder vernünf­tiger Mmsch leicht begreifen, wie wenig Ansehen man sich durch diese arm­selige Kunst bey Personen, die Verstand besitzen, zuwegen bringe. Die Glucke bestehen doch nur in einem Haufen unnützer Worte, die man Ge­dankenlos hervorbringt, und die noch dazu eine schwere Verantwortung nach fd) Laster, welche besonders einem von den beyden Ge­

schlechten der Menschen vorzüglich anhängen, und dahm ist unstreitig das fluchen zu rechnen. Die Mannspersonen sind insgemem diesem Laster er­geben. Ich erinnere mich zwar auch verschiedener Exempel von Weibs­personen , die wenn sie in Zorngerathen sind, so gut, als ern Fuhrmann, geflucht haben Doch ist dieses etwas seltners, und es bleibet d-e es Laster hauptsächlich dem männlichen Geschlechte eigen. Ich habe auch bemerket, daß die Mannspersonen selbst, in der Art zu fluchen sehr von einander unter­schieden sind. Ein Fuhrmann wird, wenn er flucht, ganz andre Worte brauchen, als ein Stutzer in Gegenwart seiner Schönen. Der erste wird,

Li h