»4 _>Lesisch-wöchentlich semeinnötzige Anzeigen
Honte, Theil haben sollten. In dieser Hosnung hatten sie alles verlassen «nd waren ihm nachgefolgt. Sie erlitten so viele Widerwärtigkeiten mit ihm, sie ertrugen den Spott der Welt und unterworfen sich dem Mangel und der Armuth. Für alle diese Trübsalen hofften sie in dem Reiche des Messias überflüssig belohnt zu werden. Als Christus aber gekreuzigt wurde; so hielten sie alle ihre Hofnungen für vcrlohren. Nur noch cm ^rost war für sie übrig. Christus hatte versprochen, daß er am dritten Tage wieder auferstehen wollte; wenn nun dieses nicht geschehen wäre, was wurden die Apostel gedacht haben? Sie würden daraus deutlich erkannt haben, daß dieser JEsus, dem sie so lange nachgefolgt waren und für den sie alles aufaeopfett hatten, nichts als ein Betrüger müsse gewesen seyn, der ihnen mit vergeblichen Hofnungen geschmeichelt, der sie aus eine gottlose Weise Kinterganaen, der sie der Verachtung und dem Haß der Menschen ausgesetzt , und sie in die gröste Armuth und in das tiefste Elend gestürzt hatte. Konnte wohl das Andenken an einen solchen Menschen den Aposteln ernt* aes Vergnügen erwecken? Wer kann glauben, daß sie aus Liede gegen um und zu seinem Besten die gefährlichsten Lügen sollten ausgestreuet, daß ne diese Lügen mit so vieler Standhaftigkeit mitten unter den größten Swmer- rrn, die sie leiden oder befürchten mußten, sollten behauptet haben? Sagen Sie mir nur, mein Herr, ob Sie die geringste Wahrscheinlichkeit
Hierzu kommt noch, daß sie gar keine Hosnung hatten, daß ihnen ihr Betrug gelingen würde, wenn sir auch wirklich hätten betrugen wollen. Denn die Welt zu überreden, daß ein Verurtheilter, der am Kreuz gestorben und begraben worden sey, drey Tage hernach das Leben wieder bekommen habe, das war schon ein sehr seltenes Vorbaben. Die Apostel mußten sich immer bewußt seyn, daß sie zu nichts weniger geschickt waren, als eine Sache, die so schwer zu glauben war, glaubwürdig zu machen und eine so gefährliche Unternehmung wohl auszufuhren und zu bchau- pten. Und ausserdem konnte sich keiner auf den andern verlassen. Darm da sie sich um keines Vortheils willen mit einander verbunden hatten; fo m»ißte ein jeder allen Augenblick befürchten, daß ihn ein andrer, den man entweder bestochen oder geschreckt hätte, verriethe. — .
Und bedenken Sie nur, mein Herr, wenn die Apostel eine Bande Betrüger gewesen wären, -würde es nicht ein wirkliches Wunder gewesen seyn, wenn so viele mächtige Feinde des Christenthums, welche Strafen und Belohnungen in ihrer Hand hatten, kein Mittel hätten erfinden können,


