rz6 Gr'esisch- wöchentliche gemeinnStzige Anzeigen
>, Ihren steisigsten Leserinnen/ und ich kann Sie bey meiner jungfräulichen t, Ehrbarkeit versichern, daß ich noch nie eine schönere und entzückendere 1/ Nachricht in einem Wochenblatt gelesen habe, als Ihre Nachricht von r, dem Herrn Quirinus Altlieb. Was meinen Sie, meine Herrn, wenn „ ich das Glück hätte, seine Gemahlin zu werden? Ach gewis, das wäre „ mein allerliebstes Glück, das ich noch zu erleben wünschte l Können „ Sie, wollen Sie mich diesem liebenswürdigen Mann empfehlen? Ich h weis, es fehlt nicht, wenn Sie mich ihm empfehlen, wenn Sie mich /, ihm mit der ganzen Macht Ihrer Beredsamkeit empfehlen l Bedenken Sie „ es nur selbst, wie dankbar ich gegen Sie seyn werde. Ich bin anitzt schon „ 6r. Jahre und etliche Monate alt, und habe bereits über vierzig Jahre nach „ einem Manne geseufzt. Allein die allzu grose Strenge und das lange Le- „ ben meiner Mutter hat alle, die sich um meine Gunst bewarben, aus unjerm Hause verbannt. Und wie ich einmal in den vierzigen war, da f, blieben die Freyer von selbst aus. Kurz, ich mußte auf der Jungfern- n Bank sitzen bleiben, ich mochte wollen oder nicht. Ich kann Sie ver- „ sichern, meine Herrn, daß es mein Wille nicht war, so lange zu war- n ten, und ich muß es gestehen, daß ich im achtzehnten Jahre eben so gern n geheyrathet hätte, als m meinem zwey und sechzigsten. In der That, n wenn ich ehedem gewußt hätte, was ich anitzt weis, ich würde mich zu r, allerhand Sachen haben verleiten lassen, blos aus Verdruß, weil meine n Mutter so grausam mit mir umgicng. Meine verliebten Augen und mein „ ziemlich groses Vermögen, würden mir Liebhaber genug zugezogen ha- „ ben, trotz meiner etwas unnatürlichen Gestalt und den Reden meiner 9t Mutter, die mir immer sagte, daß ich in meinem Leben nicht heyrathen ff sollte. Man hat ja mehr Exempel, daß Frauenzimmer geheyrathet ha- f, ben, die noch nicht vier Schuh lang und eben so wie ich, hinten und n vornen ausgewachsen waren, die beynahe noch ein weit rother Haar und „ weit mehr Pocken-Narben im Gesicht hatten, als ich. Und was thun „ dann krumme Füße zum Heyrathen ? Wie manches Frauenzimmer dürfte n alsdenn an keinen Mann denken, wenn es nothwendig gerade Füße ha- „ den müßte! Sie gehen ja fast alle, ich mag nicht sagen, wie. Ich ha- fi be in meinem Leben nur einige gesehen , die einen natürlichen und mente* ii ltchen Gang hatten, und das waren Bäuerinnen. Meine Mutter hatte ii also eben so Unrecht, daß sie mir um meiner Füße willen das Heyrathen ii verbot, als der gütigste Herr Quirinus Altlieb haben würde, wenn es " ihm bey derganzey Sache auf meine Füße ankäme, die ohnedem von
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