?66 Giesische wöchentlich gemeinnützige Anzeigen
keine vernünftige Vorstellungen wollen bessern lassen. Das geben wir w, daß ein Kind in seiner zarten Jugend kann vernachlässigt worden seyn. Laßt euch dieses aber nicht abschrecken, und fahret demohnerachtet fort, eS beständig mit der Tugend bekannter zu machen, es täglich mehr zu seinen Pflichten zu ermuntern und. ihm die Vortheile vorzuhalten, die aus dem Gehorsam folgen. Wenn es auch gleich die Vortreflichkeit eurer Ermah. nungen anitzt noch nicht einsehen will; so wird bald eine Zeit kommen, wo es sich derselben mit Nutzen bedienen, und dasjenige mit Vergnügen thunwird, was es ehedem so ungern gethan hat, und was ihr ihm zu thun so oft anbefohlen habt. Ihr habt ihm doch wenigstens den Schlüssel zu derThüre seines Glücks gegeben; und diese wird es eröfnen, so bald es hernach selbst einsicht, daß os nur allein durch diese Thüre zu seinem Glücke kommen kann. Mein durch Schläge macht ihr es nur immer erboßter, ihr macht es sklavisch und niederträchtig, weil die ZwangMttel, worunter die Schläge gehören, der Hoheit und Freyheit der menschlichen Seele ganz zuwider sind. Inzwischen geben wir auch zu, daß es sehr schwer ist, rin Kind zu bessern, wenn es schon viele Jahre eigensinnig und halsstarrig gewesen , ist. Deswegen behaupten wir auch, daß man die Erziehung, wenn sie ohne Schläge geschehen soll, mit dem ersten halben Jahre anfan- gen müsse.
Allein wir haben einen noch weit grösseren Fehler bemerkt. Wir haben gesehen , daß der Vatter das Kind geschlagen hat, und die Mutter hat ihm Unrecht gegeben und dem Kind zugerufen: komm du her zu mir, mein Sohn, der böse Papa hat dir weh gethan. Wir wollen ihn wieder schlagen. Und darauf ist sie wirklich hingegangen und hat ihn ein wenig geschlagen. Wir wollen einen jeden urtheilen lassen , ob dies eine vernünftige Kinderzucht ist. Dies ist der allernächste Weg, die Kinder zu verzärteln. Daher entstehen die sogenannten MamaSöhncher, wovon unter hundert kaum einer der Welt nützlich wird. Soll die Erziehung gut werden; so muß kein Gatte dem andern in Sachen, die die Erziehung betreffen, widersprechen, wenigstens muß er ihn in Gegenwart der Kinder nicht tadeln. Die Kinder werden sonst ungewis, wem sie folgen sollen, sie werden immer denjenigen stärker lieben, der auf ihrer Seite ist, und dagegen den andern knechtisch fürchten, und, wenn er sie straft, sich immer einbilden, daß ihnen unrecht geschehe. Würde es nicht viel vernünftiger gewesen seyn, wenn die Mutter zu dem Kinde gesagt
hatte:


