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Unser heutiges Blatt wollen wir mit einem Briefe beschliefen, den uns ein Frauenzimmer vor einigen Tagen zugeschickt hat. Er hat uns unge- mein vergnügt, und wir hoffen, daß er unlre junge Lelerinnen nicht minder vergnügen wird. Hier ist er:
Meine Herrn! .
Die Prophezeiung, wovon Sie ,in dem ersten Blatte ihrer Anzeigen von diesem Jahre geredet haben, ist an mir völlig erfüllet worden. Sie versprach in diesem Jahre allen ihren Leserinnen, die über das zwanzigste Jahr hinaus wären, und viele Proben ihrer Tugend, Klugheitmud Men- schenliebe ablegen würden, die artigsten und muntersten Jünglinge zu Mannern. Freuen Sie sich mit mir, daß ich das Glück anitzt geniese, den rechtschaffensten Mann zu besitzen. Ich würde mir keine Hornung auf Wests unaussprechliche Glück Haden machen können, wenn ich mich nicht auch mit allem Eifer bestrebt hatte die Bedingungen zu erfüllen, unter we - eben die Prophezeiung eintreffen sollte. Ich habe nicht so gelebt, wie viele von unserm Geschlecht zu leben pflegen. Wenn andre nut ihren thönchten Liebhabern spatzieren giengen, blieb ich zu Hause und brachte meine häusliche Geschäfte in Ordnung, wenn sie ganze Tage betzm Spieltisch verschwendeten/ suchte ich mein Vergnügen m einem weit edlem und nützlichem Zeitvertreib; die Stunden, die andre mit dem übermäsigm Putz und vor dem Nachttisch zubrachken, wendete ich zum Lesen eines schönen und lehrenden Buches an; hörte ich sie andre verläumden, verachten und tadeln, wer! sie es in der'Kunst, sich nach der neuesten Mode zu kleiden, noch nicht so weit gebracht hätten, als sie; so untersuchte ich,mein Herz, besserte es, und nahm mir vor, keinen Menschen zu verachten oder lieblos über ibn zu ur- theilen. Um Mitternacht saß ich bei) keinem Liebhaber, bet) keinem Spieltisch mehr, um diese Zeit gieng ich nicht mehr nut der Stta>e herum, ich durchgieng entweder die Handlungen des verflossenen Tages, oder ich war schon zu Bette, um neue Kräfte zu den Verrichtungen des folgenden Tages zn sammeln. Wenn andre bis zeben Ubr des Morgens schliefen, hatte ich schon einen'grosen Theil meiner Geschälte verrichtet. Sehen Sie, meine hochgeehrteste Herrn, so habe ich in diesem Jahre gelebt, und so werde ich von nun an.immer lebrn. Ich werde mich.von nun an bestreben, meinen Mann durch diejenige Lebensart glücklich zu machen , wodurch ich mir seine Liebe, seine ewige Liebe zugezogen habe. Wie glücklich bin ich nun schon seit einem viertel Jahre in der Liebe- dieses Vortveflichsten, und mit welchen Mitleidsvollen Augen sehe ich anitzt diejenige von meinem Geschlechte an, die


