Ausgabe 
10.9.1765
 
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machen könnte. Aber sollten diese Leute vielleicht eine neue Sittenlehre er­funden haben, worin die Trunkenheit nicht mehr als eines von den verab­scheuungswürdigsten Lastern, sondern als eine ganz erlaubte Handlung bewie­sen würde? Das wäre doch in der That eine seltsame Erfindung. Aber auf diese Art müßten doch auch die Herrn Erfinder beweisen, daß die unausbleib­liche Folgen der Trunkenheit, z. E.die Verlezung der Ehre, die Verminde­rung des Vermögens, das Verderben der Gesundheit, der Verlust der Vernunft und die Unmöglichkeit des vernünftigen Genusses aller nur wün­schenswürdigen Güter etwas gutes und vortrefliches seyen. Und dieser Beweis sollte doch wohl seine gross Schwierigkeiten haben. Aber vielleicht haben sie sich Wohlstandes halber besaufen müssen? Auch dieses kann ich nicht glauben. Denn sollte der Wohlstand eines von den gröbsten Lastern von uns fordern können? Mich dünkt vielmehr, daß einen vernünftigen Menschen nichts in der Welt übler ansteht, als die Trunkenheit. Inzwi­schen ist es leider! schlimm genug, daß man das Wort: Wohlstand: so sehr misbraucht, und daß man sich so gar oft einbildet, die Pflichten des Wohlstandes ganz genau erfüllt zu haben, wenn man nicht eher im Sau­fen aufhört, als bis 1111111 von der Menschheit nichts weiter übrig behalt, als die Gestalt. Kurz, ich konte keine gerechte und hinlängliche Ursache aus­findig machen, warum sich diese Leute eigentlich bis unter das unvernünftige Vieh möchten erniedrigt haben. Ich fing eben an, sie von Grund meiner See­le zu bedauren, als ich eine Menge Leute von beyderley Geschlecht und sehr verschiedener Kleidung gewahr wurde, die dicht nebeneinander stunden und so aufmerksam und Gedankenvoll zu seyn schienen, als wenn sie hierher ge­kommen waren, die vom Krieg verheerete Lander wieder in Ordnung zu bringen.. Als ich die Gesellschaft ein wenig näher betrachtete, erstaunte ich über ihre Beschäftigung, die blos darin bestünde, daß sie sich untereinan­der durch das Würfelspiel zu bereichern suchten. Einige schienen mir blos um des Gewinnstes willen, andre aber Ehrenhalber für die Frauenzimmer, die sie an der Hand hatten, Geld auszusetzen. Hier sah ich, wie einer sei­nem Nachbar ein sehr unzufriedenes Gesicht machte, ich hörte, daß ein an- derer alle Teufel zusammen fluchte, weil sie zugelaffen hatten, daß sein Mitspieler einige Augen mehr geworfen hatte. Und dies war eine von den vornehmsten Ursachen, warum ich mich nicht länger bey dieser gewinnsüch­tige» Gesellschaft verweilte.

.. ZuumelM fQm jH an t>en Ort, wo man bleierne Kugeln dem Berg hlNüuf schoß, die, ich wollte fast wetten, manchen mehr als silberne koste­ten.