Ausgabe 
9.7.1765
 
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Lir Gr'esische wöchentlich - gemeinnützige Anzeigen

Herr Altlieb mag für eine Ursache zu dieser Heyrath gehabt haben, welche er wolle. Für die geringe Mühe, die er uns jüngsthin durch seine Hey- rathsVorschläge verursacht hat, sind wir genug belohnt worden. Er hat uns die Liebe erwiesen und uns zu seinen Brautführern erwählt. Allein so wenig wir diese unschätzbare Ehre verdienen; so sehr bedauren wir es, daß wir sie wegen allzu häufigen Geschäften nicht geniesen können. Damit es aber doch dem Herrn Altlieb nicht an Brautführern fehlen möge; sy sind wir erbötig, einem jeden von unfern Lesern, der noch ein Junggeselle ist und dabey die Kunst versteht, eine Braut züchtig und ehrbarlich in die Kirche zu führen, die uns anvertraute Stelle zu überlassen. Wir hof­fen, daß unter der grosen Menge Leser, die wir anitzt haben, wenigstens einige Junggesllen sind, die diese Stelle willig annehmen und sie viel­leicht besser vertretten werden, als wir zu thun im Stande gewesen wären. Welche Lust dazu haben, können sich bei) unferm Herrn Verleger von allen Umständen näher erkundigen. Zu mehrerer Gewisheit wollen wir ih­nen einsweilen den EinladungsBrief selbst mittheilen, den uns Herr Qui­rinus Altlieb zugeschickt hat. Er lautet in der unverbesserlichen Schreib­art desselben also:

,, Hschgebretende Herrn!

Denenstlben muß anitzt ohnverhalten, daß nunmehro ein Bräuti- gam bin, mit der Ehr, und Tugendsamen Jungfer Catharina wilhel- ,, mina Susanns Philip pina Fruchtbann. Wenn nun Dieselben ' gemüssget wären, mir und meiner geliebtesten Jungfer Braut die Liebe

zu erzeigen, unserm beyderseits hochzeitlichem Tage beyzuwohnen; würde mich solches sehr erfreuen, maßen Dieselben unsertwegen viele Mühe sich zu machen nicht unterlassen haben. Wozu noch kommt, daß meineJung- ,, fer Braut Dieselben gerne von Person zu kennen wünscht, weilen Die- selben so viel Gutes an sich haben mögen. Dannenhero sie auch das Zu- trauen zu Denenftlben gefaßt har, Dieselben würden so viele Confide- i> ration für sie haben und sie vor der solennen Copulation in die Kirche fuh- rett. Steht Denenselben nun die Stelle der Brautführer an; ff so mache mir sehr viel Freude davon, wann Dieselben nicht verweilen, ff den, steil Tag dieses Monats Julii zu uns zu kommen, als an welchem if Tage das Biylager seyn wird. Hoffe anbey, daß Dieselben mit dem ii welligen werden vor lieb nehmen, ms Küch und Keller beschehrt. Uebri-

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