Ausgabe 
8.10.1765
 
Einzelbild herunterladen

vnd Nachrr'chtttt. z-z

.Ueberzeugung erkennen könnte, wenn er auch in der Wissenschaft der Na­tur noch so sehr ein Fremdling ist, und nm blos seine Augen brauchen will?

Die Menge, Mannigfaltigkeit und Verschiedenheit der Lebendigen muß nothwendig einen jeden, der einiges Nachdenkens fähig ist, in das -auserste Erstaunen setzen, und ihm von dem Verstände ihres herrlichen Ur­hebers einen sehr grosen und erhabnen Begriff verschaffen. Noch kennen wir gewiß nur wenig Arten der Thiere, welche unsern Erdboden bevölkern, und doch rechnen fieisige Beobachter der Natur bloß von bekannten vier­füßigen Thieren über hundert und fünfzig-Gattungen ohne die besondem Arten und Familien derselben mitzuzählen, von den Vögeln über fünfhun­dert Gattungen, von den Fischen eben so viele, von den Schaalfijchm .auf drey tausend, von den Insekten aber, die noch gesehen worden find, über zwanzig tausend Gattungen. Jede Gattung hat so viele besonde­re Arten und Familien unter sich, daß ihre Zahl nicht berechnet werden kann; jede ist an einzelnen Thieren, eine mehr, die andere weniger zahl­reich und fruchtbar. Welche ungeheure Summen machen sie nicht aus! Wem schwindeln nicht die Gedanken bey ihrer Vorstellung ! Wie ist ei- ue jede Art stufenweise immer vollkommner, als die andre, so daß sie alle von dem kleinsten und unsichtbarsten Wurme an bis zu dem Menschen her­auf , durch unzählbare Ordnungen, die sich schwer von einander un­terscheiden lassen, zwar in gewissen Werkzeugen und Eigenschaften alle einander ähnlich, aber doch selbst in dem Aehnlichen nach eines jeden Thie- res Art unendlich von einander unterschieden find! Und doch entsteht in dieser unzählbahren Menge und Mannigfaltigkeit der Lebendigen niemals die geringste Verwirrung. Jede Art bleibt ewig von einander unterschie­den; jede bleibt mit der andern immer in einem gewissen festgesetztem Ver­hältnisse ; keine ist noch durch einen schädlichen Ueberfiuß der andern verdrun- gen und aufgerieben worden, sondern sie dauren alle in gebührender Men­age , Mannigfaltigkeit und Vollkommenheit fort. Es wimmelt alles im Wasser, in der Luft, auf der Erde und unter der Erde von Lebendigen, von denen jede Gattung und Art nach ihrem eignen Entwürfe gebaut ist, jede nach besondern Regeln genährt, gekleidet, vertheidigt, erhalten und fortgepfianzt wird. -0 wie unendlich muß der Verstand seyn, der alles . dieses erfunden und durch die Macht seines Willens zur Wirklichkeit ge- . bracht hat!

Die Mannigfaltigkeit der Thierarten in Absicht aufchen Bau und die Bildung ihres Körpers geht für unsern Verstand ins Unendliche, und vre-

Ss» ler

i