Lso Giesisihe wöchentlich- gemeinnützige Anzeigen

Mannspersonen zuverlässig wußten, daß der Jungfernkranz nunmehro nicht mehr sein Kennzeichen der rein,en Jüngerschaft seye, so entstünde, über diese Kopfzierde ein Gespötts. Dieses veranlassete die wahrhaftigen Jung­fern, den Jungfernkranz abzulegen, und sich, in Ansehung ihrer Jung- ferschast, auf ihr gutes Gewissen zu verlassen. Hierdurch kam der Kranz in völlige Verachtung, und selbst diejenige, so ihn bisher, zum falschen Beweis der Jungferschaft, sortgetragen hatten, legten ihn nun ebenfalls ab, um sich, von den wahrhaftigen Jungfern, nicht auszuzeichnen. Von dieser Zeit an, war gar kein äußerliches Kennzeichen der Jungferschast mehr vorhanden. Darauf sienge man an, in den Benennungen einen Unterschied zu machen. Diejenigen Madger, die der französischen Galan­terie ergeben waren, nennte man Mammefellen; die übrigen aber, wel­che die teutsche Tugend und Unschuld beybehielten, nennte man Iung^ fern. Wei! aber hierdurch die Mammefellen, von dem Jungfernstand, ausgeschlossen wurden, so brachten sie es, bey denen der französischen Ga­lanterie ergebenen, Mannspersonen, dahin, daß diese vorgaben, dasWort Mammeselle bedeute eigentlich eine Jungfer die vornehmeren Statt-- des sive. Die Sache glückte nach Wunsch. In kurzem wurden alle vornehmere Madger Mammesellen/ die geringeren aber Jungfern ge- nennet. So blieb es, biö wir das Glück hatten, die Franzosen, ge­raume Jahre, in unsere Grenzen zu bekommen. Diese nenneten eine jede, noch mcht verheurathete, Weibsperson eine Mammefelle, ohne Absicht auf ihren Stand, sie mogte eines Schneiders Tochter seyn, oder die Toch­ter eines Fürstlichen Raths, oder eines Edelmanns. Wenn wir auf die eigentliche Bedeutung des Worts: Mademoifelle gehen, so hatte auch die erstere eben so vieles Recht zu diesem Titel, als die zwote und dritte. Die uneigentliche Bedeutung aber passet nur auf die, die sich schämet, Jungfer zu helfen. Vielleicht hat diese Scham eine Aufrichtigkeit zum Grund. Denn aus einem Jrrthum, als ob die französische Jungfern bes­ser seien, als die Teutschen, kann sie ohnmöglich entstanden seyn, da ja . bekannt ist, daß die Französischen Madger viel verliebter und leichter sind, als die aus pur teutschem Geblüt entsprossene. Dem seye, wie ihm wolle; genug: die gemeinen Madger waren nun auch Mammesellen.

"Die Vornehmere Beschwerten sich darüber bey den französischen Officiers. Diese gaben ihnen den Rath, sie selten sichj'Wrch ein gewisses äustr- liches Zeichen, von jenen, unterscheiden, und schlugen eine Kopfzierde vor, dergleichen die Madame Pompadour zu tragen pflege, und die man, in ihrer