Ausgabe 
4.6.1765
 
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wöchentlich- gmeintiiMe Knzeigen mb VchrWen. Drey und Zwanzigstes Stück. Dienstags dm 4ten Junü 1765» Mtt Hochfürstl. Hessen-Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis.

Betrachtungen über den Nutzen der Femde.

^Meinde zu haben ist ein so gewöhnliches und allgemeines Schicksal, daß rjöf jhm nur wenige Menschen gänzlich und auf immer entgehen. Der VSaJ Weise eben so wohl, als der Thor, der Tugendhafte sowohl als der Sclav des Lasters haben Feinde, und oftmals jene mehr als diese. Und wie kann man auch von der Beschaffenheit des menschlichen Herzens etwas anders erwarten? Auch derjenige, welcher in der Erfüllung seiner Bestimmung die auserste Sorge anwendet, der in seinem ganzen Betra­gen gerecht, billig, leutselig, gütig, herablassend, sanstmüthig, wohttha- tig und grosmüthig zu seyn bemühet ist, wird zuweilen einen Schritt thun, der andre beleidigen kann. -Oft sind selbst seine rühmlichen Eigenschaften die Quellen der Feindschaft. Muß nicht der gerechte, der patriotische, der edeldenkende, der masige Mann, von dem Ungerechten, Eigennützigen, Niederträchtigen und Schwelger, wenn er ihre lasterhaften Absichten hin- dekt, und durch seine Lehren oder durch sein Beyspiel ihre Handlungen ta­delt, nothwendig verachtet und gehaßt werden? Das erhabenste Muster jeder Tugend und sittlichen Schönheit, der leidende Gottmensch, ist von dieser Wahrheit das überzeugendste Beyspiel. Auch unser Glück, unsre Z Ver-