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WENN die allernützlichsten und vortrefiichsten Wahrheiten in einer ab- stracken, in einer trotten und leeren Schreibart vorgetragen werden, so wird der größts Theil der Menschen nie so stark davon eingenommen und überzeugt werden, als es möglich ist, wenn man sie ihnen auf eine ange­nehme und deutliche Weise vortragt. Die Wahrheiten unsrer göttlichen Religion sind nicht einmal davon ausgenommen. Sie sind die allerunent­behrlichsten. Ihr Werth ist unschäzbar und wenn ihre Lehren auch ganz ohne Pracht und in der unwürdigsten Gestalt erschienen, so sollten sie doch immer unfern Verstand beschäftigen und alle Kräfte unsrer Seele erfüllen, weil ihr lezter Endzweck unsre Glückseeligkeit ist. Allein wer kennt die Fin­sternis im Verstände des Menschen nicht, wenn es auf die Erkenntnis sei­nes Heils ankommt? Wie verdrossen ist er nicht, wenn er diesen himmli­schen Wahrheiten nachdencken soll! Wie selten suchen wir uns eine deutli­che und lebendige Uiberzeugung davon zu erwerben ! Und ist es nicht bey denen, die einen reinen und verbesserten Geschmack behaupten wollen, zu» allgemeinen Mode geworden, ihnen alle Ehrerbietung zu versagen, wenn sie sie in einer ungeschmückten und unzierlichen Schreibart erblicken ? Soll also diese Finsternis zerstreuet, soll diese Schläfrigkeit in Aufmerksamkeit verwandelt, sollen die Vorurtheile der Menschen niedergeriffen und soll ch- nen ein Geschmack an den Wahrheiten der Religion beygebracht werden, und wie nothwmdig ist dieses nicht? so müssen sie uns in einem reizenden und entzückenden Schmucke dargestellt werden. Sie müssen uns nicht nur belustigen und ergötzen, sondern auch zum Nachdenken bewegen. Und ist nicht die Dichtkunst am fähigsten, diese Forderungen zu erfüllen und diesen heiligen Wahrheiten den würdigsten Glanz mitzutheilen. Kann sie nicht ihren Leser bald durch das mannigfaltige, bald durch das nachdrückliche ih­rer Sprache vergnügen? Und wie angenehm unterhalt sie ihn nicht mit ih­ren reichen und fruchtbaren Gedanken! Kurz, wenn sie unterrichtet, so sucht sie nicht nur zu überzeugen , sondern auch auf eine einnehmende und lebendige Art zu überzeugen und uns den Beyfall gleichsam abzunöthigen.

Allein wenn uns die Wahrheiten des ChristenthumS wahrhaftig Slückseelig machen sollen, so müssen wir es nicht blos bey der Erkenntnis derselben bewenden lassen, sie müssen auch unser ganzes Herz bilden. Sie müssen nicht nur geglaubt, sondern auch ausgeübt und empfunden werden. O wenn doch dieses die Menschen immer erwägten ! Wenn sie doch nicht leibst so viele Hindernisse feiten, welche diesen himmlischen Lehren allen Zu-

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