-44 Giefische wöcheEch-- NemeittttZyrge Attzergen

Sprachen hat keine so viele Gewalt über die Seele des Menschen, als die Sprache der Dichtkunst. Sie muß also besonders in der Religion von den größten Nutzen seyn.

Es ist beynahe unnöthig, daß ich mich zuvor in eine umständliche Betrachtung über die wichtigen Vortheile einlaffe, welche die Dichtkunst überhaupt hat. Wer kennt ihre grosen Absichten nicht? Und wer hat dis Wirkungen noch nicht erfahren, die sie durch ihre Macht in unsrer Seels hervorbringt? Ihre Wirkungen fliesen ganz natürlich aus ihren Absichten. Denn sie sucht immer das angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Sie will nicht nur den sinnlichen, sondern auch den denkenden Menschen beschäftigen. Daher schmückt sie ihre Lehren mit unwiederstehlichen Reizun­gen aus. Sie trägt sie leichte und faßlich vor. Sie zeigt uns die erha­bensten Wahrheiten in den schönsten Gemählden und setzt unsre Einbildungs­kraft in eine solche Lebhaftigkeit, daß wir uns auch die entferntesten Dings beynahe als gegenwärtig vorstellen können. Den Verstand ergötzt sie nicht nut durch das angenehme und mannigfaltige, sondern auch durch das prächtige und majestätische in ihren Ausdrücken. Bald setzt sie ihn in Bewunderung und Erstaunen, bald reicht sie ihm Stoff zu den tiefsten Betrachtungen. .Und wie gros ist ihre Macht nicht über das Herz! von aller Trockenheit entfernt ist ihre Sprache voll Leben und Feuer, um den Willen ganz in Bewegung und Flamme zu sezzen. Deswegen machen ihre Wahrheiten einen so grosen Eindruck auf uns. Deswegen ist ihre Erkenntnis so wirk­sam und thatig. Und wo ist eine Empfindung, die sie nicht zu erwecken vermag? Ist sie nicht eben so geschickt, die Empfindungen der Freude und der Liebe, als die Empfindungen der Traurigkeit des Mitleidens und des Schmerzens in uns rege zu machen? Welche Saite der Seele, wenn ich so reden darf, laßt sie unberührt, und welche trift sie nicht ganz? kurz, sie vergnügt den Sinnlichen durch ihre Bilder ; sie setzt den Tiefsinnigen in Erstaunen und reißt den Beweglichen mit ihrer mächtigen Kraft hin. Gewiß so gros die Gewalt ist , die die Dichtkunst überhaupt über unser Herz hat, eben sogros muß der Nutzen seyn, den sie in der Religion stiften kan. Denn die Wahrheiten derselben müssen nicht nur auf eine an­genehme, überzeugende, sondern auch auf eine erhabene und majestätische; nicht nur auf eine rührende und bewegende, sondern auch auf eine faßliche und oft sinnliche Weife vorgetragen werden. Ich will mich bemühen, jede von dielen Forderungen weiter auseinander zu setzen. *

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