Ausgabe 
27.11.1764
 
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Baumgarten war ein hochachtungswürdiger Geist , man mag ihn als einen Philosophen, oder als einen Lehrer, oder als einen Schriftsteller betrachten. Aber wann ich mir ihn als einen rechtschaffenen Mann, als einen christlichen Weisen denke: so wird meine Hochachtung, Ehrfurcht unß meine Bewundruug Erstaunen. Niemand ist im Stande, die Noch. Wendigkeit einer Offenbarung mit einer unüberwindlicher,i Gewißheit zu er­kennen ; niemand ist geneigter ihren Lehren Beifa« zu geben, sobald er die Kennzeichen der Glaubwürdigkeit an ihr wahrgenommen hat, als nur der, der das Unzulängliche in den philosophischen Mitteln zur Glückseligkeit mit Ueberzeugung einten kann, der wahre Weltweise. Wann auch Die Erfahrung aller Zeiten nicht für die Richtigkeit dieses Satzes spiache : so würde ihm allein das Betragen Baumgartens zu einem unumstößlichen Be­weise dienen, Dieser grose Mann streute nicht nur in seine Schriften die herrlichsten Spuren seiner tiefsten Ehrfurcht gegen Die christliche Religion, sondern sem ganze« Leben war auch eine treue ununterbrochene Ausübung ihrer göttlichen Lehren. Durch lie erleuchtet war er ein demüthiger Anbe­ter der Gottheit, em treuer, weiser, liebreicher Vatter, ein zärtlicher, ein «gemeiner Menschenfreund, und Der strengste Beobachter aller seiner Pfiichken. Erschrecken Sie, M. H. über die Gröse der Leiden, durch welche eine zwölfjährige Krankheit Die Heiterkeit feiner Tage verdunkeln *>< Aber erstaunen Sie auch über Die Gröse seiner Standhaftigkeit, amt welcher er Dusts jammervolle Schicksal ertrug. Niemals venobr er di- heilere Ruhe feiner tugcndvollen Seele, niemals vergaß er feine Abhan- Wkeit von dem Unendlichen, niemals äustrte er Die geringste Unzufrieden. >>eit auf Diesem traurigen Pfade, auf Den ihm Der Wink Der Vorsicht tu wandeln gebet Immer segnete er die Hand, Die ihn schlug, und dankte Der ewigen Weisheit, Die feine Tugend prüfte. Seine Philosophie, fo gros, |o tiefsinnig, so ausgebreitet sie auch war, enthielt Trostgründe, die aber noch lange nicht stark genug waren, ibn unter den mannigfaltigen Leiden seines Lebens auszurichten. Die Religion, Die Religion allein war ftme Leuchte in diesen Nachten des Jammers , feine Starke in feiner Schwache, fern Trost in feinem Kummer. Die H. Schrift, Die er vor fern teuerstes Gut, vor seinen köstlichsten Schatz hielte, linderte seine un­glaubliche Schmerzen durch Die grwen Hornungen, zu welchen sie feinen unsterblichenMesti erhob. Er weihte ihr täglich viele Stunden, und zeich­nete einige Bande von Betrachtungen auf, zu welchen er durch ihre Lehren geleitet wurde.. Er »ergaß feine Leiden, wann er die trostbollen Reben de« " . : . Erlösecg