mrd X7Uäyci<bwit 3^
5? ^beil zu nehmen. Ich muß aller Menschenliebe entsagen und im Stande ftyn können, ganze Nächte zur Schande der Menschheit zuzubrin- gen. Ich muß demjenigen, der mir nur die geringste Beleidigung zufügt, daß Leden rauben und die Erfüllung der Pflichten gegen GOtt, gegen mich selbst und gegen andere für etwas überflüssiges halten können. Wie? Solche Menschen sollten meine besten Freunde werden? Mit solchen Unvernünftigen sollte ich einen grosen Theil meines Lebens nicht allein unbenutzt, sondern auch unverantwortlich dahin fliesen sehen? Nein! ich habe schon Hindernisse genug auf dem Wege der Tugend zu überwinden, warum sollte ich mir durch die Freundschaft mit solchen Leuten meine Siege immer noch schwerer und fast unmöglich machen? Die entsetzlichsten Erfahrungen haben mich auf ewig für solchen Freunden abgeschreckt. Ich denke nie ohne Zittern an das Unglück jenes Timons. Dieser wurde mit LMcandorn im Weinhause bekannt, und kaum hatten sie sich gesehen, so tranken sie sich eine ewige Freundschaft zu. Ich erstaunte, M Menschen, die sich anitzt zum erstenmal sahen, gleich die besten und treuesten Freunde werden wollten. Ich dachte immer, man müßte denjenigen zuvor aufdaS sllergenau^e kennen lernen, den man zu seinem Freunde erwählen wollte. Hier war es ganz anders. Sie sahen sich zum erstenmal und wurden gleich auf ewig Freunde. Aber wie erschrack ich, als ich nach zwo Stunden hörte, daß Timon von wcandorn erstochen worden war. Wer kan wohl ohne Entsetzen an eine solche Freundschaft denken ? Ist diß vielleicht das Glück, sind diß vielleicht die Freuden die die Menschen von einer wahren Freundschaft erhalten sollen? Nein.' diese Bündnisse verdienen den Namen der Freundschaft nicht. Die Engel haben dieses heilige Band aus einer weit vortreflrchern Absicht erfunden. Sie wurde vom Himmel herabgesandt, dis Schätze der Menschen zu bereichern und das höchste Gut der Erde xu ftyn. *
Wenn ich also die Absicht der Freundschäft erhalten will: so muß ich mir einen Freund wählen, der die Ausübung der Tugend und der Religion zu seinem liebsten Geschaffte macht. Von diesem habe ich nicht zu befürchten, daß er mir meine Hofnungen auf eine ewig dauernde Glückseelig- keit raubt. Dieser verlangt kein niederträchtiges Opfer für seine Freundschaft von mir. Er giebt nie keine Gelegenheit zur Eitelkeit, zum Hoch-
UuL mut»
* S. >cn Christen in der Einsamkeit. S. 86 # 87.


