ZZ6 Sie fische wöchentlich ♦ gemeittnötziJe Anzeigen
Religion gsnz aus seinem Herren verbannt hat. Denn wie kan ich von demjenigen erwarten, daß er mich vollkommner machen wird, der nicht einmal weiß, ja der alles dasjenige haßt, worin die Vollkommenheit und die einzige Zierde des Menschen besttht? Muß ich nicht vielmehr von ihm befurchten, daß er mich zum unglückseeligsten Geschöpfe macht, daß er mir nach und nach seine Jrrthümer einflößt, mich immer gleichgültiger gegen die Religion und Tugend macht, und mir die unendliche Hofnungen raubt, die ich in der Ewigkeit gewis erfüllt sehen werde? Nein! einen solchen, und wenn er auch den größten menschlichen Verstand hätte, wenn er auch der artigste und gefälligste Mensch im Umgang wäre; einen solchen werde ich immer, wie eine glänzende Schlange fliehen.
Eben so wenig werde ich mich um die Freundschaft des reichen und vornehmen Amzors bewerben. Es ist wahr, ich könte verschiedene Vor-- ther'le von seiner Freundschaft haben. Ich könte durch ibn in kurzer Zeit ein ansthnliches Amt bekommen, und von einer Stuft der Ehre zur andern empor gehoben werden. Aber für dieses Glück soll er auch mein Freund seyn. Dieser Tausch gefällt mir nicht. Rmzsr ist der niederträchtigste Mensch. Er verlangt von mir, baß ich ihm nicht nur die Dienste eines Sklaven thun, sondern auch alle edle und grosmüthige Gesinnungen ablegen soll. Nein! Herr mag sehen, wo er Freunde um diesen Preiß bekommt. Ich will lieber mein Leben in meiner Hütte unbemerkt zubringen, als mir durch seinen Umgang die hohe Gunst seiner Familie erbetteln.
Aber könte denn nicht Herr Aleiderlreb mein Freund werden ? Ja, wenn er mir verspräche, daß er seine übertriebene Neigung zur Eitelkeit, zum Hochmuth und zur Verschwendung ablegen und statt der vielen mmö- thigen Röcke sich zu weilen das Gebat eines Nothleidenden für seine Glück- seeligkeit erkaufen wollte; dann wollte ich ihm wohl einen Platz unter meinen Freunden anweisen. Aber so lange er noch statt seiner Seele seinen Körper schmückt, und mehr auf die Majestät in seinem Gang und auf die Pracht seiner Westen, als auf die Erhabenheit eines tugendhaften Herzens steht; so lange wird Herr B.lerderKeb mein wahrer Freund nicht werden können:
Noch vielweniger werden Herr Mcnsckenfemd und Herr Lüder- lrch meine wahren Freunde werden können. Sie verlassen mich zwar nie, wenn ich in der Gefahr meines Lebens bin. Aber für diesen Bestand muß ich mir auch gefallen lassen, an allen ihren Ausschweifungen und Thorhei- ttn


