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muth oder zur Verschwendung. Er verführt mich nicht zu einer viehischen Lebensart, noch sucht er mich auf eine unmenschliche Art zu ermorden. Sein ganzes Bestreben geht vielmehr dahin, meine wahre Glückseeligkeit zu befördern, mir edle und einem unsterblichen Geiste würdige Gesinnungen einzupflanzen, mich für den sträflichen Freuden und für allen Ausschweifun­gen und Thorheiten der Welt zu verwahren, und Menschenliebe und Mit- t eiben gegen den Elenden in mir zu erwecken. Er lehrt mich im Glücke weise und dankbar gegen die Vorsicht, im Unglücke zufrieden und stand- / haft, klug und bescheiden im Umgänge und ausrichtig und verschwiegen in der Freundschaft zu seyn. Er nimmt an allen meinen Zufallen Theil,freuet sich, wenn es mir wohl geht, sucht bey jedem Unfall meinen Kummer zu stillen, verwahrt meine Geheimnisse in feinem Herzen, ist mein Rathg^oer, und entdeckt mir, ohne meiner Eigenliebe zu schmeicheln, freymüthig alle meine Fehler, kurz: er sucht mein Herz zu bessern und mich zu einem Chri­sten und wahren Menschenfreunde zu machen. Diese Eigenschaften muß derjenige besitzen, der mein wahrer Freund seyn will, oder er muß sich we­nigstens auf das sorgfältigste bestreben, sich dieselben zu erwerben.

-O wenn ich doch anitzt meine Absicht erhalten hätte! Wenn doch anitzt mancher von meinen L.sern über die eigentliche Beschaffenheit eines wahren Freundes weiter, als es mir hier erlaubt war, nachdächte. Ich weis ge­wiß, er würde sich mit unwiderstehlicher Macht aus den Armen desjenigen reissen, den er bisher für seinen besten Freund hielte, er würde den tiefen Abgrund des Verderbens und die entsetzlichen Gefahren, in welche ihn der­selbe mit sich fortschleppt, schon vor sich sehen, er würde sich für ihm ent­setzen und ihn wie einen Giftbecher mit unüberwindlichem Abscheu von sich stoffen.

Aber ich muß noch zwo Fragen beantworten, die mir derjenige vorle­gen wird, der die Freundschaft noch nicht auf dieser prächtigen Seite ken­net, aus welcher ich sie hier beschrieben habe, und auf welcher sie nur al­lein würdig ist, von Engel erfunden zu seyn. Ja, wird er sagen, ein solcher Freund ist freylich etwas vortrefiiches und unschätzbares; aber ist er vielleicht nur blos eine Geburt der Einbildung? Es ist wahr, ein solcher Freund ist das seltenste Geschöpfe auf der ganzen Welt, obgleich nichts all­gemeiner seyn sollte, als treue und brüderliche Freunde. Allein so lange es doch möglich ist, daß ein Mensch durch Vernunft und Religion sein Herz bessern, die niedrigen Freuden der Welt verachten und einen Geschmack an höheren und ewigem Vergnügungen finden kan; so lange wird auch ein

' solcher