X2.4 Gieflsche wöchentlich -- gemeinnützige Anzeigen
wir zwar unsre Materie nicht > allein wie läßt sich auch in dem geringen Raum, in den wir eingeschränkt sind, dieses thun?
Ein Poet muß einen Freund haben, auf dessen Nahmen sich gut reimen läßt: sonst kann er seinen Freund unmöglich verewigen, und es fällt ihm schwehr seinen Nahmen in den Reim zu bringen, eine Plage für den Poet, die sich besser empfinden als beschreiben läßt. Ein ganz besonderes Glück wäre es für ihn, einen Freund zu bekommen, dessen Nähme auf önig, uhsen oder ugend ausgienge, so würde er auf die Worte: wem»/ Musen und Jugend etwas anders, als Lönig/ Busen und Tugend reimen können. Ein Freund, der dem Dichter bisweilen in der Hungers- noth zustatten kommt, ist schon kein Freund mehr; der verdienet schon den prächtigen Titel: Gepriesner Mecänat!
Ein Stutzer kann verschiedene Arten der Freunde haben; drey Arten aber hat er hauptsächlich nöthig. Einen der ihm Geld borgt > einen der eine hübsche Tochter hat, und einen, der ihn mit gutem Wein bewirtbet Auf diese drey Arten muß er sehen, sonst versieht er sein Handwerk nichts Da er dem Schneider und Peruckenmacher seine grösten Verdienste zu dan« ken hat: so thäte man vielleicht nicht unrecht, wenn man auch diese unter seine Freunde rechnete.
Einem Verliebten, besonders wann er in dem Herz seiner Schönen noch nicht festen Besitz genommen hat, thut ein Freund nöthig, welcher ihm Nachrichten von seiner Galathee bringt, und zuweilen einen Zutritt bey ihr verschafft; einen andern, der ihm Poesien und Romanen leiht, wo. mit er sich die Zeit vertreibt, wenn er sein Mädchen nicht sehen kann , und ein Poet, der ihm ein seufzendes Lied macht, das seinen brennenden Liebes. Gram stillen, oder welches er seiner Göttin bey dem Clav,re vorsingen kann.
Ein schlechter Schrifftsteller, er mag in Prose oder in Versen schlecht schreiben, hat auch dreyerley Freunde vonnöthen : einen der Bekanntschasst genug hat, um sein Lob in alle Zeitungen und Calender setzen zu lassen; einen zweyken, der unverschämter ist, als wenn er drey Jahr auf den Galeeren gedient hätte und schimpfen kann, wie ein Bootsknecht; und endlich einen dritten, der fast der vornehmste ist, und dieses ist ein gutherziger Verleger.
Ein Mann, der listig ist, und in der Welt sein Glück machen will, muß erstlich einen Freund haben, der ihm alles zuträgt, was andere Leute heimlich halten wollen; dann einen der sehr hitzig ist, den er aber lencken kann,


