36 Gresische wochmtkich- gemeiiwötztge Anzetzett

Religion, Rechtschaffenheit und die Erfüllung unserer Pflichten von uns fordert, wir erkennen mit dem Verstand die Billigkeit seiner Forderung, und die mnere Verbindlichkeit ihin zu gehorchen. Wir können von un­ser« Gewissen lernen, daß gewisse Handlungen von Zufriedenheit und EK- unzertrennlichen Gefährtinnen begstitet, andere hingegen durch natürliche schlimme Folgen, durch Unruhe und Schande bestraft werden; 3^^^. lmd SchuldigkttW, diese aber verbotten sind.

Dieses alles erkennen wir, und dennoch weigert sich unser Heu, das sich von der Sinnlichkeit dahm reisten laßt, diesen Wahrheiten zu folgen, uni) das, was der Verstand emyehet, anzunehmen und zu billigen: Man muß uns daher nicht blos die Ge'etze, die Gehorsam von uns verlangen, lehren, man muß uns auch durch starke und dringende Beweggründe 'zu ihrer Er- sullung antreiben. Man muß uns in der Moral die Folgen der Tugend und des Lasters nebeneinander zeigen, und die fastganz verloschene Ernvstn- dung von dem was rn unfern Handlungen edel und schön ist, zu erneuern juchen. Man muß uns die Hindernisse, roJcbe uns auf dem Weg der Tugend ausstoffen, überwinden, und dre Lockstimmen des Lasters, die und auf ihre Abwege rufen, verachten lehren. Man muß in uns die Erkentnisi myerer Verbindlichkeiten lebendig und wirksam machen, und d.r Wahrheit die verschlossene Zugänge zum Herz durch sichere unD angenehme Mittel zu erofnen suchen. D-e Moral hüllt dah.rihre Lehren bald in das Kleid der Geschichte em, und sucht durch Beyspiele zur Tilgend zu ermuntern, die gememiglicl), weil sie naher an die Empfindung gränzen, mehr als alle abstratte Demonstrationen auf die Seele wirken; sie nimmt solche er tweder aus der wahren Geschichte, oder sie erdichtet sie, nnd giebt ihnen die Mai ke Md den äusseren Schein der Wahrheit. 9

dft nicht sie die tiefwirkende Reize der Dichtkunst zu Hüffe, und macht die Seele weich und empfindungsvoll, daß sie d?'n Gndruck der ernsthaften Lehren desto leichter annimmt. Sie sitzt unsentw ederdurch L Pracht des Lehrgedichts ins Feuer, oder wirkt in uns durch die Majestät der

Gesinnungen. Zuweilen wählt sie die furchtbare- Gegel her Satire, und züchtigt dre Thoren, die durch ernstliche Betrach- rungen nicht zu gewnmen sind. Eben so braucht sie die Comödie, das Tltguerspiel, dre Wbsl, dze nmalische Charaktere, und andere Arten des

Vor-