zöL Gresisthe wochenEch -gemeümZtzige Anzeigen
Der Weltweife, dessen Verdienste der Vorwurf meines Lobes sind, besaß zwar in allen Theilen der Gelehrsamkeit eine Erkenntnis, die sich über das Seichte, über das Gemeine, über das Flatterhafte weit erhob. Mer die Wissenschaft, durch die er vorzüglich gros werden, durch die er sich verewigen sollte, war die Philosophie. Seine angebohrnen Talente bewiesen bald, daß ihn die Natur selbst bestimmt hatte, den Glanz der Weltweisheit zu erhöhen, ihre Granzen zu erweitern, und sie wider den Verfall zu beschützen, in welchem sie unsre Zeiten erblicken sollten. Man behauptet gemeiniglich, daß nur die Meister in der Dichtkunst von der Natur selbst gebildet werden wüsten. Aber dieses Urtheil ist viel zu eingeschränkt. Nicht nur die Dichter, sondern überhaupt alle Meister in allen Wissenschaften haben der Natur ihre vorzügliche Gröse zu danken. Ein Mensch, dem die Natur keine Anlage zur Philosophie gab, mag durch die unglaublichsten Bemühungen seine Mängel zu ersetzen streben; -r mag tausend Nachte bei) der Epictetischen Lampe durchwachen; er mag die Philosophen aller Zeiten rn.it unermüdetem Fleise studieren: vielleicht wird er die «L-ysieme dieser Männer einschen, und ihre Erfindungen begreifen, aber er wird niemals selber erfinden lernen, er wird niemals ein Philosoph der ersten Gröse werden. Er mag in seiner Kindheit schon einen guten Verstand aus seinen Handlun- §en strahlen lassen: ein Ramus, der im zwanzigsten Jahr f ines Lebens kaum die Buchstaben feiner Sprache kannte, wird ihn doch we t hinter sich lassen, weil sein Genie schon von der Natur mit Talenten versehen ist, die jenem versagt sind, und durch keine Bearbeitungen der Kunst ersetzt werden kön- mn. Baumgarten ist ein neues Beysp-el von der Unmöglichkeit, oder doch wenigstens von der grosen Schwierigkeit, in irgend einer Kunst ohne den auserordentlichen Beytrag der Natur bewundernswürdig zu werden. Das ganze Reich der Gelehrten ist längst darüber einig gewesen, daß er nach dem FreyHerrn von Wolf der gröste Philosoph seiner Zeiten war. Aber er hatte auch zu dieser erhabnen Würde einen besondern Ruf der Natur erhalten. Der Philosoph, der die Beschaffenheiten, die Eigenschaften, die Gründe der Dinge erforschen soll, muß eine mächtige Begierde haben, alles zu prüfen, alles zu untersuchen. Und man endeckte auch die deutlichsten Spuren von diesem unwiderstehlichen Hang an dem jungen kaum ge- bohrnen Weltweisen. Einer von seinen altern Brüdern brachte ihm, als rr kaum reden konte, die biblischen Geschichte bey. Er faßte sie mit der Wösten Begierde. Aber er war so wenig damit zu frieden, sie blos gelernt zu haben, daß er ost den merkwürdigen Wunsch that, die H. Schrift selber


