z 6o Giefische wöchernlich -- gemeinnützige Anzeigen

den tiefsten Staub vor dem Unendlichen demüthigt, die Befriedigung sei­ner feurigsten Wünsche in der Verherrlichung seines Urhebers sucht, in den liebreichsten Umarmungen des tauschenden Glücks einen vorsichtigen Arg­wohn äusert, von den Ungrwittern des^ Unglücks umstürmt zufrieden lä­chelt, und mit dem ruhigsten Herzen die Scene seines Lebens verläßt. Ich gestehe es, meine Seele wird von Bewunderung und Entzücken hmgrris- stn, wann ich die verewigten Thaten menschlicher Helden betrachte, die für die Ruhe der Welt ihr Leben wagten, die ihr Schwerd zum Schutz der Unschuld zogen, und auf den blutigen Feldern der Schlacht Palmen des Friedens pflanzten. Aber wann ich erwäge, daß die unsterblichen Thaten auch der rühmlichsten Helden oft mehr rauschend sind, «ls daß sie einen wohlrhatigen Einfluß auf das Wohl des menschlichen Geschlechtes haben sollten; wann ich höre, daß auch unter den lautesten Lärm der Jubel doch die klagende Stimme der Verwittibten und Verwaißten hervorwinselt; wann ich sehe, daß selbst an den Palmen des Friedens, den diese Sieger dem Erd kreis wieder schenkten, das Blut, das kostbare Blut enchlagner Menchen, meiner Mitbrüder, klebt: so flieht mein kurzes Entzücken von den mächtigen Schauern, die mein Gefühl ergreifen; meine Bewunderung verwandelt sich unvermerkt in Empfindungen des Mitleids; ich vergesse die Gröse der Helden, und fühle nur die Gröse des menschlichen -Elends. Betrachte ich hingegen die Trophäen, die sich der wahre Gelehrte im Reich der Wahr­heit aufrichtet; zähle ich die Siege, die seine Lehren über den Verstand, und feine stillere, aber erhabnere Thaten über das Herz der Sterblichen erfech­ten: so schwächen keine Schauer meine Entzückungen, kein Mitleid stört meine Bewunderung, keine Wolken von Gram verdunkeln den Glanz mei­nes Gegenstandes. Und wenn ich auch über die schrecklichen Züge in dem Bilde des Helden einen verbergenden Schatten breiten wollte; wann ich ihn um als einen MenschenFreund, als einen Beschützer, als einen Vatter blühender Staaten betrachte: wie kan mein Herz von der Begierde, ihm nachzuahmen entflammt werden, wann ich erkenne, daß mich mein Geschick nicht bestimmt hat, der Themistocles meines V -tterlauds zu seyn? Allein in dem Gemählde des Gelehrten ist keil, Zug, der mich nicht zur Nacheife­rung mffeuerte, der mich nicht aufforderte, die Ausbreitung der Wahrheit zu befördern, und meine Sorgen, meine Krä'tt, mein ganzes Leben der Weisheit aufzuopfern, um dereinst meinen Fleis dem Dienste der Welt und der Verherrlichung meines Schöpfers weihen zu können. Niemals em­pfand meine Seele diese Anreizungen zur Weisheit und Tugend in einer grösem