Grefifthe wöchentlich-gememnützige Anzeigen

muß, ind'emerdie Erkentniß der Neigungen zu Mitteln brauchen kan, sei­ne Vorschriften zu unterstützen/ und ihnen Beyfall und Nachdruck zu ver­schaffen. Kommt noch zu diesen Vorzügen der Reitz der Schreibart und des Ausdrucks/ der eine solche Schrift schmückt: so kan man nicht unter# fcffen/ sie bey jeder Gelegenheit allen Arten der Menschen ernstlich anzu# preisen. Dieses sind die Gründe/ welche uns bewegen/ unsre Leser heute mit einen kleinen Werk zu unterhalten/ dem die erzählten Lobsprüche in ih­ren ganzen Umfange gebühren. Es ist des Hm. D. Johann Georg Zim^ mermanns Abhandlung vom Nationalstolze/ die vor einig« n Ja! ren in der Schweitz zum zweytenmal an das Licht getretten ist. Sie ist nach dem Urtheil der gepr-üftesten Kunstrichter eine der feinsten Ausarbeitungen, die wir im Teutschen haben. Die Beyspiele des Verfassers sind die ausge­suchtesten/ und feine Denkungsart ist edel und philosophisch, der Weitläuf# tigkeit feind, begnügt er sich das wesentliche so zu sagen, daß der Leser das übrige mit Vergnügen hinzudenkt/ und spottet der unermüdeten Schriftstel­ler die sich mit ihrem Leser nie einlassen, ohne ihm alles zu sagen was fienur wissen. Nachdem er von dem Nationalstolze überhaupt gesprochen hat: so bandelt er von dem Stolze einzelner Menschen; von dem Stolze gamer Nationen; insbesondere von dem Stolze/ der sich bey einer Nation auf eingebildete Vorzüge/ auf das eingebildete Alterthum, auf die falschen Re# kigionen, auf eine eingebildete Freyheit/ Tapferkeit/ Machr und Ansehen bezieht; von dem Stolze der von der Unwissenheit überhaupt/ und von-er Unwissenheit ausländischer Sachen herkommt; von dem Stolze der sich aus wahre Vorzüge/ auf das Andenken der Tapferkeit der Vorfahren, auf den Ruhm in Künsten und Wissenschaften/ auf die Regierungsform gründek. Von dem Stolze der Republikaner/ und dem, der in Monarchien Platz hat. Zuletzt zeigt er die Vortheile und Nachtheile des Nationalstolzes, dessen sowohl, der sich auf wahre, als dessen, der sich auf eingebildete Vortheile beziehet. Wir können fast nicht mit uns selbst einig werden, wenn wir aus dieser durchaus lesenswürdigen Schrift Stellen ausziehen sollen. Doch hier sind einige/ die uns zuerst in die Augen fallen. „Ncht- ist gemeiner als der Stolz. Von dem Throne bis in die Bauernhütte/ von dem König bis zu dem Bettler glaubt der Mensch er habe Vorzüge, die ■ ihm vor allen andern Menschen eigen ftyen; er erhebt sich auf Unkosten sei­nes Nachbars, und dünkk sich gros, wenn er jemand kennt, der ihm klei­ner scheint. Alle Nationen sind in gleichem Falle. Von den Chinefern, Am merkwürdigsten Volke von Asien, bis auf die Bewohner der klein­

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