3 54 Meflsche Utmeittttützuge AttzeiZett
Heiliges Land, wie oft hieng mein sanftthränendes Auge An dem Hügel, den ich von des Bundes Blute schon voll sah. Und, o wie bebt mir mein Herz,von süssen wallenden Freuden? Daß ich so lange schon Mensch bin, daß schon so viele Gerechte Sich mir sammlen, und nun bald alle Geschlechte der Menschen Mir sich heiligen werden.' Hier lieg ich, göttlicher Vatter, Noch von deinem Bilde geschmückt mit den Zügen der Menschheit, Betend vor dir: bald aber, ach, bald wird dein tödenv Gericht mich Blutig entstellen, und unter den Staub der Todten begraben.
Schon hör ich dich, du Rechter der Welten, allein und von ferne, Kommen, und unerbittlich in deinen Himmeln daher gehn.
Schon durchdringt mich ein Schauer, dem ganzm Geistergeschlechte Unempfindbar, und, wenn du sie auch im grimmigen Zorne Tödtetesi, unempfindbar! Schon seh ich den nächtlichen Garten vor mir lreaen, schon sink ich vor dir in niedrigen Staub hin, Lieg, und bat, und winde mich, Vatter, im Toves-chweiffe.
Siehe, hier bin ich, mein Varer. Ich will dem allmächtiges Zürnen, Deine Gerichte will ich mit tiefem Gehör sam ertragen.
Du bist ewig! ein endlicher Geist hat das Zürnen der Gottheit Und den Unendlichen furchtbar und tödtend, gedacht und empfunden. GOtt nur konnte die Gottheit ertragen. Hier bin ich, mein Vatter, Tödte mich, nimm mein ewiges Opfer zu deiner Versöhnung.
Noch bin ich ftey, noch kan ich dich bitten , so thut sich der Himmel Mit Myriaden von Seraphim auf, und führet mich jauchzend, Vatter, zu deinem unsterblichen Thron im Triumphe zurücke.
Aber ich will leiden, was keine Seraphim fassen
Was kein denkender Cberub in tieftn Betrachtungen einsieht; Ich will leiden, den furchtbarsten Tod will ich, Ewiger, leiden! Weiter sagt er und sprach: Ich hebe gen Himmel mein Haupt auf, Meine Hand in die Wolken, und schwöre dir bey mir selber, Der ich GOtt bin, wie du ; Ich will die Menschen erlösen!
Welcher Mensch, und wenn er auch ganz ohne Gefühl wäre, kan bey dieser Stelle ungerührt bleiben? Wie göttlich wird nicht der Unendliche in seiner Liebe geschildert! Wie gewaltig wird dadurch jede Emrfin- dung unftrs Herzens getroffen! Wie voll Majestät, wie voll erbarmenden Ernstes ist nicht diese Rede des Erlösers! - Doch ich will hier dem Rath des Herrn Klopstocks folgen. Die


