Giesische wöchentlich gemeinnützige Anzeigen
„ siehe Sie also bey Ihrer Menschenliebe an, daß sie diesem unvergleichli- „ chen Arzt die Krankheit meines Mannes und Bruders durch Ihr Wochen- n Blatt bekannt machen. Ich will Ihnen die vornehmste Kennzeichen ih- „ res Characters getreulich mittheilen. Ich verspreche Ihnen auch, und n noch mehr dem Herrn A. eine billige Belohnung, wann ich so glücklich „ werden sollte, durch seine Recepte von meinem schweren Creuze erlößt n zu werden.
n Mein Mann steht itzt in seinem sechzigsten Jahre. Ein Umstand, „ der mir viel Kummer macht. Denn man hat mir einmal gesagt, daß „ alte Narren sehr schwer zu bessern waren. In seinen JüngsiuasJahren „ griff ihn schon seine Krankheit an, wodurch ihm sein Verstands ver- „ dorben wurde, daß er noch bis auf diese Stunde das G ld für diehöch- „ sie Glückseeligkeit des Menschen hält. Alle seine Wünsche, Begierden, ^i Sorgen und Bemühungen richtet er auf diesen einzigen Endzweck. Er „ hält alle Stunden für verlohren, in denen er seine Kisten nicht wenig- „ stens mit einem rothen Heller bereichert hat. Ja er wird manchmal „ von seinem Fieber so stark angegriffen, daß er die entsetzlichsten Reden „ führt, entsetzlicher als die Reden eines im hitzigen Fieber pbantasirenden „ seyn können. Oft sagt er, (GOtt verzeihe es ihm), daß ihm ein Gro- ii schen in der Tasche lieber fei;, als ein blos möglicher Himmel. Ja er n sehnt sich auch gar wenig darnach, weil ihm ein guter Freund gesagt „ hat, daß man im Himmel entweder gar kein Geld, oder cs doch we- „ nigstens ohne Interessen auslchnte. Ich bin nur einmal von ihm „ schwanger gewesen. Und in dieser Zeit hörte ich ihn einmal das entsctz- „ kiche Gebät für mich thun, daß ich doch ein todtes Kind gebühren mögte, ii weil ihn die KindTaufKosten gar zu hoch stehen würden. Sein Gebet „ wurde nicht erhört. Ich bekam einen Sohn. Er hörte aber nicht auf „ allerlei) abscheuliche Gebeter zu thun. Als er dem armen Knaben das • ti erste Kleid machen lies, so bat er GOtt, daß er ihm doch nicht mehr ii mögte wachsen lassen, damit er dieses Kleid recht lange tragen könte. ii Er ist überhaupt gegen diese Art von göttlichen Seegen so gleichgültig, 5, daß er sich schon seit langer Zeit von meinem Schlafzimmer geschieden bat. „ Diese Entfernung schmerzt mich nicht sowohl, als vielmehr sein unerträg- „ sicher Geitz, der ihm nicht einmal erlaubte, sich ein anderes Bett ma- „ chen zu lassen. Wann ich ihm dazu die zärtlichste Vorstellungen tbue: „ so sagt er mir, daß er lieber sein Leben, als das Capital zu einem Bett // für sich hingeben wolle. Auf seinem Kasten, auf seinem eisernen Kasten
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