*76 Gresisthe wöchentlich- gemeinnützige Anzeigen mußten sie nicht in der Geschichte seyn, die nicht etwa in Jahrhunderten, Andern täglich ihre Grenzen erweitert sieht. Das glücklichste Genie, das sich m das unübersehbare Feld der Historie wagt, kan ein ganzes Menschen Alter hindurch nicht müssig seyn, wann es in demselben tiur die fruchtbarsten Gegenden völlig durchwandern, und in den noch unbebauten G HlDen nur die merkwürdigsten Blumen brechen will. Aus dieser Unmöglichkeit, die Geschichte in ihrem ganzen Umfang zu durchforschen, entstunden in dcm Vortrag derselben ungemein viele Eintheilunaen, die jederman bekannt find. Ob man zu viele, zu wenige; ob man die natürlichsten, die richtigsten Abtheilungen gemacht hat, darüber will ich itzt nicht urtheilen Ich will Mich nur einigermasen über die Frage erklären, ob man den Werth eines jeden Tbeils der Geschichte gehörig bestimmt, oder gewisse Theilevon ihr zum Nachtheil der übrigen mit übertriebenen Lobsprüchen erhoben habe.
Ern gewisser verdorbener Geschmack, der in unfern Zeiten sehr gemein wird, überzeugt mich, daß das letztere nur allzuoft geschehe. Man bemühet sich um die Wette, die Geschichte der neuern Zeiten auszubreiten, und ihre vorzügliche Brauchbarkeit aus vielen Gründen anzupreisen. Man setzt sie ungemein weit über die ältere Geschichte hinaus. Man behauptet bisweilen gar die völlige Entbehrlichkeit der letztem, oder man bildet sich doch wenigstens ein, daß für alle Gattungen von Gelehrten die seichteste und eingeschränkteste Kenknis derselben schon hinreichend sey. Diese Vormtheile gründen sich entweder auf eine gänzliche Unwissenbeit in der Geschichte der vorigen Zeiten; oder auf eine gewisse Art von gelehrter Trägheit, die sich vor dem schwereren Unterricht todter und fremder Lehrer fürchtet; oder vicl- si'icht auch auf eine unvernünftige Neubegierde, die eine edlere Befrsi diaunq in der Erforschung vornehmer GeburtsTäge zu finden glaubt, als in der Betrachtung der nachahmungswürdigsten Cbaractere, die uns die Meister, Hände der Griechen und Römer von den grösten Männern des AlterthumS gezeichnet haben. Ich will eben nicht behaupten, daß die ältere Geschichte einen Vorzug vor der neuern verdiene. 'Vielleicht kan man, wenigstens m einer gewissen LebensArt, dm pragmatischen Nutzen der Historie leichter «ns dieser als aus jener ziehen. Aber wann nud) dieses ganz allgemein wahr wäre: so würde man doch der ältem Geschichte dön groseN Werth mM absprechen können, den ihr das vernünftige Urchril der zuverlässigsten Ken- stek ettheilt. Man muß nur bey dieser Untersuchung den gegründeten Un- tttschiev mchr vergessen, den Mn zwischen der ältern Geschichte der sori-
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