Giesser Wochenblatt.
Dreißigstes Stück.
Dienstage den 2.2. Jul. 1777.
Mit Hochfürstl. Hessen Darmsradtlscher gnädlgßcr Erlciubniß.
^lsm Sonntage (den rzten dieses Monaths) war zu Grossenlmden eine ansehnliche Versammlung- ein Fürst!. Hessen-Darmstädtischer
▼V Minister, ein Fürst!. Hessen« Darmstädtischer General, zween Superintendenten, einige Regierungsräthe und Professoren von Gießen, welche sich mit vielen andern von entfernten Orten her, eingefundrn hatten, um der öffentlichen Confirmation einer Taubstummen Fräulein, die bisher dem Unterricht des dortigen Geistlichen, Herrn Arnold,' anvertrauet war, als Ohren und Augenzeugen bey zu wohnen. Man kann sich nicht» rührenderes und feyerticbeces als diese Handluna gedenken. Vor dersel- biaen hielte Herr Arnoldi eine recht ausgeardeitete Predigt über die Worte • der Stummen Zunge wird Lob sagen aus Jes. $$,6. und han- deite von den Trostgründcn cbnjiltcber Acltern bey den leibllchen Gebrechen ihrer Linder. Er vergrößerte durch seine Rede die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer noch mehr auf den Gegenstand ihrer Erwartung. Nach Endigung des Liedes: Nun bitten wir den heiligen (Seist rc. trat er vor den Altar, und mit einem schon einnehmenden Gange und Aniiande nahte sich die zur öffentlichen Prüfung und Ablegung des christlichen Glaubensbekenntnisses vor ihm so gut vorbereitete Fräulein, auf w/lcke nun die Augen aller gerichtet waren, zu ihm. D«e Bewunderung vnd das Erstaunen einiger aus der Menge läßt sich nicht mit Worten aus« drücken; Ung rührt blieb Niemand, und bis zu Thränen wurden fast alle bewegt, da sie die Fräulein über die wichtigsten Religionspunkte sich so Ausdrücken hörten, wie es wohl tausend andern von ihrem harten Schick- sable ganz freie Christen Kinder, deym völligen Gebrauch ihrer Sinnen, «ach einem so kurzen (kaum 17 monatlichen) Unterricht nicht wurden ge. tkan haben. Bev der allgemein herrschenden sehr rühmlichen Stille ging vim Zuhörer auch W kein einziges Wort von so vielen, v'e alle aus der * ” G ö Herr


