Ausgabe 
31.1.1775
 
Einzelbild herunterladen

z4 W-chenblaee.

vaS heißt, sie werden von der Allmacht Gottes an einem Orte aufbehal- ten, der ihrem künftigen Schicksale gemäß ist , so daß es nicht in ihrem Willen stehet, nach ihrem Tode auf dem Erdboden herum zu gaukeln, und die Lebendigen auf so abgeschmackte Arten zu schrecken, als man ost erzählet. Bonden Seelen der Auserwählten kann man überdieß schon überzeuget seyn, daß sie zu solchen Ncckereyen keine Lust haben werden, und die Seelen derer, die zur Verdammniß bestimmt sind , werden mit ihrem künftigen Schicksale gewiß so viel zu thun haben , das ihnen alle Gedanken zu dergleichen Erscheinungen vergehen werden, wenn es auch in ihren Kräften stünde, in sichtbarer Gestalt wieder unter den Menschen aufzutreten.

Von den guten Engeln müßte man sehr niedrig denken, wenn man ihnen solche Thorheiten zutrauen wollte, als die meisten Gespenster-Histo­rien enthalten. Es blieben also nur noch die Teufel übrig, denen man mit einiger Wahrscheinlichkeit den Proceß wegen der Gespenstergeschichte machen könnte Es ist wahr, der Teufel ist ein böser Gast; wenigstens geschie- het in der Welt nicht leicht etwas Böses, welches man ihm nicht Schuld gäbe. Aber an den Gespensterhistorien ist er gewiß unlchuldig.

So bösartig auch die Teufel immer seyn mögen, so listig, verschlag gen und klug sind sie doch, wenn es auf ihren Nutzen ankömmt. Man nehme die meisten Gespensterhistorien, mit denen sich der Pöbel trägt, und untersuche sie, ob sie wohl etwas Kluges enthalten. Man frage sich,waS könnte wohl der Teuftl für eine Absicht bey dieser Erscheinung gehabt Ha- Haben? Etwa die Menschen zu schrecken? O, man kann versichert seyn, daß es ihm nie einfallen wird ihnen Furcht und Schrecken von sich einzu. flößen Ware es ihm erlaubt, ihnen in sichtbarer Gestalt zu erscheinen, so würde er sich ihnen gewiß in einer angenehmen Gestalt, eines Engels des Lichtes darstellen, weil solches seinem Bortheile gemäßer seyn würde.

Wir würden zu weitläufig werden müssen, wenn wir alles Unge, reimte bey diesen Erzählungen zeigen wollten. Man kann kühnlich behaup­ten, daß alle, auch noch so wunderbare Erzählungen von Gespenstern ent­weder ein Betrug boshafter Menschen, oder ein Betrug unserer eigenen Sinne sind Wir wollen von jeder Vieser beyden Arten unter vielen tau­senden nur ein Beyspiel anführen, von welchen man den Schluß auf alle übrrge Mädchen dieser Art machen kann.

ein