Ausgabe 
31.1.1775
 
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Giesser

Fünftes Stück.

Dienstags den zi. Januar. i77f. -

Mit Hochfurstl. Hessen Harmstadlischcr gnädigster Erlaubnlß.

lieber die Gespenster.

CpidXS ist bet) Kindern und Erwachsenen häufiger, als die Furcht vo* * Gejpenstern, und doch ist nicht leicht eine Furcht thörigter und un- gereimter, als eben diese. Man erzählet den Kindern in ihrer 3u< gend tausend abgeschmackte Mährchen dieser Art, die sich denn den jungen Gemüthcrn so fest einprägen, daß ihnen diese Furcht oft Lebenslang an# hänget, auch wenn sie bet; reiferm Verstände, von der Thorheit dieser Er­zählungen überzeuget werden.

Die Ammen und Kindermuhmen sind noch nicht einig, was die Ge­spenster eigentlich für Wesen sind. Einige glauben, daß es die Seelen der. Verstorbenen sind; andere behaupten, daß der Teufel sich zuweilen ein Ge­schäft daraus mache, die Menschen zu erschrecken, oder zu necken ; und noch andere sind der Meynung, daß auch die guten Geister zuweilen die Rolle der Gespenster spielen. Es lässet sich leicht zeigen, daß alle drey Meinungen äuserli thöricht und abgeschmackt sind.

Die Seelen der Verstorbenen sind von dem Augenblicke ihres Todes' an in Gottes Hand, sie mögen nun fromm oder lasterhaft gelebt haben;

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