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Wochenblatt.

heißt eben so viel gesagt, als, er ist nicht frey : wollte er aber nicht, so hat man es seiner Güte oder seinem Wohlwollen zu danken.

Wenn diese geringe Vorstellung, so weit sie reicht, die Sache nicht deutlich macht, was für verschiedene Eigenschaften sind dann der wahren Güte wesentlich? und besonders, kann man es wohl für eine wesentliche halten, daß die Seele weder Freude noch Schmerz in Ansehung des Glücks oder des Elends anderer fühlen soll? Eine solche Fühllosigkeit scheint selbst nicht mit der Beschreibung jenes Uebelwollens oder der Bosheit bestehen zu können, die einige der menschlichen Natur zuschreiben; denn das wäre so viel gesagt, die Menschen finden ein Vergnügen in den Schmerzen an­derer. Muß daraus nicht nothwendig folgen, daß das Gegentheil Güte ist? daß wenn derjenige, der seine Freude in Quaalm anderer findet, bos­haft ist, derjenige gütig feyn müste, der sich freuet andere glücklich zu ma­chen ? Und so wie der Boshafte desto haffenswürdiger und teuflerischer ist, je mehr er Vergnügen in dem Elende anderer findet: so muß der Gütige desto liebenswürdiger und göttlicher seyn, jemehr er Vergnügen in der Glückseligkeit anderer findet. Doch darf man diese auch nicht so weit trei­ben, daß man seine eigne Glückseligkeit darüber vergißt: denn ob es gleich viele von gleicher wohltätigen Gesinnung giebt, so könnte uns doch leicht das Schicksal treffen, daß wir dergleichen nicht fänden, sondern uns durch die Hülfe, die wir anDern leisteten, zu Grunde richteten. Das folgende ist ein Beyspiel, wiewohl eS nicht viel von dieser Art giebt.

Asam hat seine Jugend unter den Menschen zugebracht, an ihren Ergötzungen TKeil genommen und sichs zur Pflicht gemacht, seine Neben­menschen mit der größten Innbrunst zu lieben: aber über fein zu zärtliches Herz erschöpfte er sein ganzes Vermögen dadurch, daß er dem Mangel der Unglücklichen, wo er sie nur fand, abhelfen wollte.

Keiner der ihn um etwas bat, bat vergebens: der ermüdete Wan­derer gieng vor seiner Thür niemals unerquickc vorüber und er hörte nicht eher auf, Gutes zu thun, als bis er nicht mehr konnte.

Er erwartete nun von seiner verschwenderischen Güte eine dankbare Erwiederung von denjenigen, die er vormals dem Elende entriffen und er sprach sie also mit dem sichern Zutrauen auf ihre Erkänntlichkeit an : die undankbare Welt aber wurde bald seiner dringenden Bitten überdrüßig;

Mmr denn