tMschenblatt 267
gutes Beyspiel zu seyn, ist eine-große Glückseligkeit; überdieß legt man dadurch dem Zeitalter, toorinnen man lebt, die größte Verbindlichkeit auf. Der Umgang mit dem Stotzen, schwellt auf: eine wollüstige Gesellschaft macht wollüstige und der Weg, einen Menschen vor Gottlosigkeit in Sicherheit zu setzen, ist, ihn vor den Bespielen derselben zu bewahren: es ist schon viel, ihnen uns zu nähern, noch mehr aber, sie in uns zu haben. Vöse Exempel, Wohlleben und Ruhe sind ohne Zweifel große Sittenverderber. Ein großer felsigrer Grund härtet den Huf der Pferde: der Bewohner der Gebürge macht den besten Soldaten, ^der Bergmann den besten Ingenieur, und eine strenge Zucht macht die Seele fest. Bey übermäßigem Glücke und Unglücke laßt uns allezeit zu großen Veyspielen unsere Zuflucht nehmen, die beides verachtet haben. Sst sind die besten Lehrer, die durch ihr Leben lehren und ihre -Worte durch Handlungen beweisen. । <
So wie eine üble Luft leicht einer guten Gesundheit schädlich ftyn kann, so können böse Beyspicle einem guten Manne gefährlich seyn. Ja, es giebt Oerter, die eine Art von Freyheitsbrief haben, lüderlich zu seyn, und wo Schwelgerey und Geilheit gleichsam gesetzmäßig verübt werden; denn große Beyspiele geben der Boßheit Ansehen und Entschuldigung diese Menschen sind unfern Sitten äußerst gefährlich und müssenvermieden werden.
Nichts bringt den Menschen leicht auf bessere Gedanken, oOef bringt ihn schneller wieder zurück, wann er vom rechten.Wege abweicht, als eia guter Gefährte. Denn das Beyspiel hat die Kraft einer Lehre und neigt das Herz zur Güte, indem es dasselbe rührt. Es entzückt uns schon, wann wir einen weisen Mann oft sehen und hören, und wie lehrreich ist erst sein Umgang selbst: man finket sich dann eben so gerührt, als ob man einen heiligen Ort beträte. Mir ist mehr daran gelegen , mit wem ich esse und trinke, als waS ich esse und trinke: denn ohne einen Freund ist mir der Tisch eine bloße Krippe. Schreiben ist gut, aber der persönliche Um« gang, die mündliche Unterredung weit besser: denn die Menschen trauen ihren-Ohren mehr und lassen das Beyspiel mehr Eindruck auf sich machen, als schriftlichen Unterricht.
ES ist uns allen natürlich, Gesellschaft zu lieben: doch sollten wie wohl merken, daß je mehr Bekanntschaft, desto mehr Gefahr wir haben. Es ist kaum unter Hunderten ein Mensch, der sich selbst sich ganz allein an, vertrauen kann. Kann uns die Gesellschaft nicht ändern, so kann sie unS doch hindern, und derjenige , der immer auf seinem Wege stehn blecht, , - . « $ ( 2. vers


