Wochenbett. S75
zur Veränderung und Vervielfältigung unsers Vergnügens und zur Beförderung unserer Glückseligkeit bestimmt ist. Wie thöricht handeln daher alle diejenigen, welche die wahren Annehmlichkeiten deö Winters verkennen, und anstatt derselben durch solche geringe oder unanständige Velustt- gungen die Zeit zu verkürzen suchen , deren traurige Folgen sie oft bereuen müssen, oder wenigstens bey der Erinnerung derselben kein dauerhaftes Vergnügen empfinden können.
Ein Brief von dem berühmten verstorbenen Gellert so unter feinen Pap- pieren gefunden, und von hoher Hand mitgetheilet, wollen wir dem Publico nicht verborgen lasten.
Liebster Herr Baratt/
Wenn ich recht kleinmüthig, recht unzufrieden mit mir selbst bin, und gar nichts gutes an mir finden kann: so stelle ich mir vor, daß gleichwohl die rechtschaffensten, die geistreichsten Männer meine Freunde sind; daß mich die Gartner, die Kramer, die Schlegel , die Kronecke lieben, und ich finde in diesen Namen nicht allein eine sanfte Beruhigung, sondern ich werde auch oft eben so stolz, als kleinmüthig ich vorher gewesen war. Ja doch, spreche ick zu mir selbst, mache dir keine Sorge, tu must gewiß mehr Geschmack und Verstand haben, alsdu denkst; du must gewiß ein gutes Herz destzen; würden dich diese Leute sonst wohl lieben können? Alle zusammen können sich wohl unmöglich betrügen I und wenn sie sich auck irrten, so gehört eß zu deinem Glücke; daß du diesen Jrrthum nicht cinsehen solst. So tackte ich ohngefahr auch, mein lieber Baron, als ich ihren lczten freundschaftsvollen Brief in einer sehr misvergnügten Stunde erhielt, und ich fühlte, daß sich mein Unmuth verminderte. Wie sehr würde ich Ihnen für diesen Dienst danken, wenn es nicht liesse, als ob ich mir dadurch die Versickerung Ihrer Liebe, ihrer ausnehmenden Liebe, in allen ihren Briefen auf immer verp-änden, und Ihren Beifall an mich fts- seln wolte! Auf das Vergnügen Ihres Briefes folgte bald ein anderes. Ich fand etliche Tage darauf in der Samlung vermischter Schriften Ihre Dde an mich eir,geruh. Ich las sie, als ob ick sie noch nicht gelesen hätte. Alles war mir nem, alles schön, und ick wünschte mir Glück', mich auf eine solche Art öffentlich gelobt zu sehn. Meine Eitelkeit gieng noch md;
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