$t Wochenblatt.
fen, die von seiner verderbten Natur herrührek. Mare er nicht ein unwissendes Wesen, so würde er sehen , daß er nichts besitzet, worauf er stolz seyn könnte; und wenn das ganze menschliche Geschlecht nicht so elend wäre, so würde er die elenden Gegenstände, mit welchem er sich vergleicht, und welche machen, das er sich andern vorziehet, nicht vor Augen haben.
Ein Weiser ist damit zufrieden, daß seine Ehre bis aus eine solche Zeit verschoben wird, da sein Verstand wrrkUch Erleuchtet, sein Wille gebessert, und seine Glückseligkeit unveränderlich und gewiß seyn wird, oder, daß ich eS mit andern Worten sage, wenn er nicht mehr sündigt , nicht mehr unwissend, und nicht mehr elend seyn wird. Aber diese Zeit erleben wir in dieser Welt nicht; sie erscheinet erst jensejts des Grabes , und dis dahin sollten wir billig allen Ansprüchen auf Ehre und Vorzug entsagen.
Wenn eS irgend eine Sache giebt, die den Menschen bey Wesen von höherer Art und von höheren Einsichten lächerlich machen kann, so ist es gewis der Stolz. Ihnen ist die Nichtigkeit der in der Einbildung bestehenden Vollkommenheiten, die das menschliche Herz so hochmüthig machen, das Puppenspiel, der Vorzüge, die sich auf Geburkh, Reichthü- mer, äußere Gestalt, schöne Kleider ober Titel gründen, so wohl bekannt, daß es sie in Erstaunen setzen muß, wenn sie einen Hochmüthigen sehen, ' .der sich aus diesen Ursachen über andere Menschen erhebet, ob er gleich eben so elend ist, als sie.
Man stelle sich einen Ameisenhaufen vor, in welchem alle Ameisen menschliche Leidenschaften haben. Wie würden wir lachcn, wenn wir eine Ameise hören sollten , die uns eine weitläufige Beschreibung von ihren Ael- tern und Großältern, oder von ihren Titeln und Würden machen wollte. Jetzt tritt sie einher , die stolze Ameise, mit langsamen abgemessenen Schritten; der ganze Haufe theilet sich zu beyden Seiten, und macht dem vornehmen Geschöpfe Platz, das mit verächtlichem Blicke mittendurch sie hingehet. Und das von Rechts wegen, denn es ist eine Ameise von Stande, die besser Blut in ihren Adern hat, als irgend eine Ameise in demgan» zen Haufen. Auf einem Stückchen verfaultes Holz stehet eine andere eben so stolze Ameise, die von ihrem Throne auf eine Menge anderer Ameisen herabstehet, die für sie arbeiten müssen. Sie ist das reichste Insect auf dieser ganzen Sette des Ameisenhaufens; denn sie besitzt einen ungeheuren
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