Ausgabe 
16.5.1775
 
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Wochenblatt.

Die rechtschaffene Frau willigte darein. Die Gerichtsdiener holten fie; und als sie solche über Lmcons-Intt-Freld, bey der Wohnung des Edelmannes Holborn-^ow vmbryführten, so weigerte sich die ar­me Frau, weiter zu gehen, worauf pie Gerichtsdiener nach ihrer unbarm­herzigen Are anfi ngen, sie fortzuschleppen z ihre Kleider zu zerreißen und ihr ihre Haare um die Schütter« zu zerren. Das Volk lief zusammen ; eS entstund ein großes Sdrm.n; die vermeynre Gemahlin» des Evelmannes hörete solches und lief sogleich ans Fenster in Dem Speisesaale , aus wel­chem sie ciifen befrübfen Gegenstand sah. Sie gab ihrem Kammermagd- chen Befehl, hinunter zu gchen, und sich nach der Ursache dieser Unord­nung zu erkundigen, weiches mit der Antwort zurück kam; daß eine arme Edelfrau wegen einer Schuld von zehen Pfunden in Verhaft genommen würde, und die Gerichtsdier er sie ir>S Gefängniß führeken. L), haltet sie auf, sagte die Edelfrau, ich will die Schuld bezahlen; lasset einen von den Gerichtöoienern herauskommen.

Als der Gerichtsbediente kam; so sagte sie zu ihm: Warum gehet ihr doch mit dieser armen Edelfrau so grausam um ? Sie ist unsere Ge­fangene, sagte er, und weil die Schuld noch nicht bezahlet ist , so hat der Klager befohlen, sie nach dem Marsckallshdfe zu bringen. Sie will nicht fort, und wir sind genökhiget, Gewalt zu brauchen; denn es ist un­sere Schuldigkeit, sie hmzuführen. Hier ist eure Schuld und eure Gebühren, sagte die Lady, lasset nur eure Gefangene zu mir kommen.

Als die Gerichtsdiener abgefertiget waren; so wandte sie sich zu dem unglückseligen Frauenzimmer und sagte: Madame, Sie haben das Anse­hen und die Sitten einer Edelfrau, welches meinen Rümmer wegen Ih­res Zustandes vergrößert. Ich ersuche Sie, sagen Sie mir, wer Sie find, und wie ich Ihnen in Zukunft solche Hülfe leisten könne, als Sie bedürfen. Gnädige Frau , antwortete die arme Frau , Dero Mildthä- tigkeit wird mir sehr angenehm seyn: doch es würde mich sehr vergnügen, wenn Eure Gnaden sich wollten gefallen lassen, keine nähere Ktmittniß von meiner Perlon zu haben. Nein, Madame, sagte Sie, ich muß wissen, wer Sie sind, Denn ich wollte Ihnen gern Ihrem Stande gemäß helfen. Gnädige Frau, sagte die arme Frau, es kömmt mir sehr hart vor, vast eine Person von Dero Tugend und Freygebigkeit die Bekümmerniß aus- stehen soll, welche Ihnen, wie ich befurchte, die Nachricht machen wird, < y L v die