Ausgabe 
16.5.1775
 
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Wochenblatt

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anehrbaren That beschirmen werde." Die gesunde Vernunft, die Einfalt unv Redlichkeit dieses MägDchens vermchrten feine Neigung, und er ant­wortete ihr: Daß er keine andere Ansicht hatte, als sie zu beworben, und daß solches, wenn sie Darein wrllrgen wollte , noch dieselbe Woche jotttr Vollzogen werde«.

Die Trauung geschah wenig Tage darauf; und ihr Betragen, wel­ches durch Di^ Frömmigkeit und eine kiese Demuth angenehm gemacht wur­de, zog ihr Die Hochachtung auch derjenigen zu , die sie nicht kanntenr der Nachricht von Der eitlen Gemahlinn Tode ober wurde niemals Widers sprochen, so daß diese allenthalben für die rechte Gemahlinn gehalten und von allem vornehmen Frauenzimmer besuchet und geehret wurde.

Na ch dieser Heurath dachte der Edelmann ganz und gar nicht mehr en seine erste Gemablinn; Die auf eine Zeitlang keinen andern Unterhalt chatte, als den ge von einem großm.üthigen und mitleidigen Kaufmsnne auf Credit bekam.

Der Edelmann fuhr fort, sich ihrer nicht mehr anzunehmen; die Schuld wuchs an, bis auf eine Summe von zehen Pfunden; und weil der Edelmann nicht dafür sorgte, daß sie konnte bezahlet werden: so gieng diese tugendhafte Frau zu dem Gläubiger und sagte: Mein Herr, ich fte- tfe tief bey Ihnen in Schulden, und meine größte Sorge ist, wie ich mich davon losmache. Mein Zufall ist nicht gar zu gemein; und wenn ich mich einer völligen Verschwiegenheit von Ihnen versichern kann, so will ich Ih­nen meldm, daß ich eines EvelmanneS Frau bin, der itzo mit einem an­dern Frauenzimmer lebet, und mich, durch feine Nachläßiakeit in die äu­ßerste Dürftigkeit gefetzet hak' Mein größter Kummer 'st Jhrenlwegen, und ich bitte Sie um Ihren Math in diesem Falle."

Madame, sagte er, erlauben Sie, daß ich Sie gefangen nehmen lasse, und verstärken Sie, daß Ihnen unter dem Fenster ihres Gemahls, von Den Gerichtsbedienten, übel begegnet werde; seyn Sie aber versichert» daß ich lieber meine Schuld verlieren wollte, als daß Ihnen so übel begeg­net werden sollte, und ich würde Ihnen auch diesen Rach nicht geben, wenn ich nicht dabey eine. Absicht auf einen größer« Nutzen für Eure Gnaden hatte« M

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