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dem Himmel, und eS kann -er Wille Gottes feyn, daß ich diese Strafe leiden soll: es scheint mir aber nicht, daß ich solche von der Hand Eurer Gnaden verdienet habe. Weil ich aber nicht zweifeln kann , daß dieses Dero Wille ist, nach welchem ich mich genau zu richten lebenslang gefu- chet habe; so bin ich auch hierzu, als zu der allerunangenehmsten Prüfung, die mich jemals betroffen bat, bereit und willfährig, und werde Eurer Gna- den, wenn Sie mir einen Gehalt ausmachen, gehorsamen."
Die Trennung erfolgter und der Edelmann gestund ihr nach ihrem Stande einen Gehalt zu; zuletzt aoer verminderte er solchen, und befahl ihr, sich von ihrer Verwandtschaft wgzubegeben, und ihrem Stande zu entsagen, damit solcher in ihrer neuen Nachbarschaft, wo sie war, nicht bekannt werden möchte. Das arme Frauenzimmer, welches bereits viele Lektionen in der Schule des Gehorsams gelernet hatte, entsagte allem, nach dem W'llen ihres Tyrannen: der Edelmann aber, um ihr nach und nach ihren ausgemachten Gehalt abzulchi-eiden, beraubte sie der Bequemlichkeit eines Bedienten , und kurz darauf gieng eine Nachricht in ter Stadt herum, daß sie tovt wäre.
A- Nachdem das gemeine Gerücht sie also getödtek, so betrauerte sie der Edelmann förmlich, und auf eine wohlanständige Art: zugleich aber ließ er sie durch denjenigen, der ihr ihren viertheijährigen Gehalt brachte, versichern, daß er ibr auch diesen gänzlich entziehen wollte, wenn sie sich jemals Unterstünde, rok er diese Nachricht ein Wort zu sagen. Sie verstund und beobachtete auch den Gehorsam so gut, daß man an ihrem Tode nicht zweifelte.
Einige Z-it darauf lud ein anderer Edelmann diesen Herrn zu Gaffe, Ein Zufall führte ihn durch die Küche, wo er ein Magdchen sah, welche- ülsobald seine Einbildung rührte Seine Leidenschaften wurden rege und fübreten rbnzu ihr zurück. Er versuchte, ihr einen Kuß zu geben, welchem sie aber mit so vieler Schamhaftigkeit und guten Sitten widerstund , daß eine Begierde in ihm entzündet wurde, sie zu seiner Gemahlinn zu machen. Er trug ihr -olcheS sogleich vor, worauf sie antwortete: „Gnädiger Herr, die große Ungleichheit, Die zwischen mit und Eurer Gnaden ist , nebst der übten Nachrede, Die Ihnen daraus entstehen muß, machen, daß ich solches fast unmöglich für Oers wahre Absicht halten kann; und ich habe das Der- trauvn, dap mich oft Gnade Gottes vor der Sünde und der Schande einer , , -■ ■ 1 ■" *' ! • -■ «mehr«


