2.91 Wochenblatt.
sind oft so mannichfaltig, und die Erkenntniß derselben ist so dunkel, daß keine Vorsicht oder Warnung einige Sicherheit versprechen kann. Nicht selten verleiten wir selbst diejenigen, mit denen wir umgeben sind , in die gefährlichsten Umstande, und noch öfter schlagen wir sie mit Gewalt wider die Felsen, da wir sie aus Rache ihrem eigenen Schicksal ohne Beystand überlassen haben.
Der Hof ist die gefährlichste Klippe, wo so viele, auch wider die beste Vorsicht, Schifbruch leiden. Dieser Sammelplatz von Vergnügungen und Thorheiten, von Freundschaft und Betrug , vom Ehrlichen und der Schmeicheley, diese Vermischung moralischer Widersprüche erhebt das Glück des einen, und wirst zugleich die Wohjfahrt von zehn andern über den Haufen. Die Hofleute sind die deutlichsten Beweise, daß uns eine beständige Gefahr verfolgt, und daß wir ihr nicht eher, als bey un- ferm Tode, entgehen können. Viele sehen die Entwürfe ihrer Absichten vernichtet, da sie schon der Ausführung nahe waren. Sie werden aus Lieblingen ihres Fürsten der Spott des Hofes und des ganzen Volkes, da sie fast alle Gewalt über die Rathschlage ihrer Prinzen zu haben glaubten. Sie werden aller ihrer Würden entsetzt, zu einer Zeit da ihr Stolz eben so viel Ehrfurcht foderte, als die Majestät ihres Königes. Es ist wahr, die meisten bereiten sich ihren Untergang selbst , aber wie viele sieht man nicht vor ihnen unschuldig und unvermuthet zu Grunde gehen? Erastsahe sich von der niedrigsten Hofbedienung bis zur obersten Stufe der geheimen Anschläge seines Fürsten erhoben. Alles muste sich nach ihm richten, und er gewann selbst den Willen des Fürsten durch ausgesuchte Schmeicheleyen. Ein Schmeichler ist allemal ein Misgünstiger. Ernst stürzte durch seine Verschlagenheit alle Creaturen des Hofes, die Lieblinge ihres Herrn werden wollten. Endlich fiel er selbst von der Höhe, zu der er sich gezwungen hatte, und zwar durch keine andern Kunstgriffe, als durch diejenigen niederträchtigen Mittel, die ihm vorher selbst so oft geglücket hatten" B^ weist Erast , und alle diese Unglücklichen nicht deutlich genug, daß die mei sten an dem grausamen Schicksal anderer, und an ihrem eigenen Unter» gange selbst Schuld sind?
Das Steuer ist das vornehmste Mittel, em Schiff in seiner Bahn zu erhalten; aber nicht selten versäumt die Nachlässigkeit der Schifskeute dieses vorzüglichste Geschäfte. Ueberdem ist eS besonders, daß die gröste
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