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sich beyde in dem Menschen. Diese nimmt zu; aber jeneverlichrt nicht das geringste von ihrer siegenden Starke. Sie wächst vielmehr zu einer solchen Größe, daß sie auch noch im Alter bey den meisten Greisen die Vernunft unter ihre BothmaßigkeLt gebracht hat. Die blinde und übermäßige Begierde nach Reichrhum wohnt auch noch in der Seele desjenigen , der lieber auf die Besorgung seines Testaments denken, als über den schlechten Cours des Geldes klagen sollte. Das männliche Alter duldet sowol Narren, als die feurige Jugend; und ich weiß nicht, ob jene der menschlichen Gesellschaft nicht weit unerträglicher werden, als diese? Der Gertz, die Ehrsucht, und wie dergleichen Poffenspiele menschlicher Sinnlichkeit immer heißen mögen, überwiegen in einem Alter von sechzig Jahren fast eher Vie Schlüffe der Vernunft, als bey dem sorglosen Jünglinge, der kaum diese beyden Laster nur erst dem Nahmen nach hat kennen lernen; und bey dem sich der innre Trieb noch nicht gänzlich entwickelt hat.
Das ganze besondre hiedey ist vornemlich dieses r So sehr die Vernunft in den männlichen Jahren gewachsen ist, so sehr verlichrt sie sich fast allemal bey den bejahrtesten Greisen. Man nennt diesen Zustandeinezwo- te Kindheit; und man thut nicht unrecht. Man körne ihn auch den letzten Beweist des Lächerlichen der Menschen nennen.
Einer solchen Veränderung ist unser Leben beständig unterworfen. Mit dem Puppenzeug verwechseln wir wesentlichere Reitzungen , mit den Scherzen der Jugend vertauschen wir das philosophische Geschwätz unsrer Lehrer, mit der flüchtigen Hitze nach gewissen Vollkommenheiten verändern wir die Eingezogenheit, und die Enthaltsamkeit von allen, was nur dem Geschmack der Welt und ihren Vergnügungen ähnlich ist. Diese mürrischen Jahre dauren ebenfalls nicht lange , und die folgenden Tage, welche nur gar zu oft alte Kinder aus uns machen, scheinen diesen eben erzählten Wechsel wieder von neuem anzufangen.
Viele, und die meisten, erleben alle diese Veränderungen nicht, und wenn ich die angehenden Menschen, oder die Jahre der Kindheit ausnehme; so sind die am glücklichsten, die in einem solchen Alter diese Welt verlassen, worin sie bereits allen Ergötzlrchkeiten der Welt abgestorben sind.
Diese Betrachtung von den mannigfaltigen Veränderungen desMen- schen hac mich sehr oft daran erinnert, daß unser Leben einer Reift nicht r ' übel


