Wochenblatt. n
Gnade.
Das Ehrenwort; Eur. Gnaden, ist ein Zeichen, daß diejenigen, die diesen Titel führen , mit denen, die ihnen unterworfen sind , gnädig verfahren sollten. Weil aber nicht ein jeder sogenannte gnädiger Herr auch in der That gnädig ist: so wird, in solchem Falle, nur das Zeichen für die bezeichnete Sache genennet. Diejenigen, welche gar das Gegentheil der Gnade ausüben, werden durch eine Ironie also benennet. Und so ist es mit den übrigen Ehrenti'teln beschaffen.
Herz.
Sein Herz zu Gott erheben hust bey einer Betschwester nichts anders als die Augen verdrehen, die Hgnde falten, Seufzer auöstoßen, und nichts dadey gedenken. Hier wird die Wirkung für dre Ursache gesezt.
Ein steinern Herz, wenn es von einem Buhler gebraucht wird, Heist ein Herz, welches auch gegen die kunstmqsigsten Liebeserklärungen uns empfindlich bleibt: denn in diesem Falle ist es so viel, als ob der Liebhaber einen Stein durch seine zärtlichsten Liebkosungen dahin bringen wollte, ihm einen Kuß zu reichen. In dieser Redensart wird der Subjekt für das Avjunct gebraucht.
Haut.
Dieses Wort wird oft in uneigentlicher Bedeutung gebraucht z. E. wenn jemand keine andreTugend besizt, als die Redlichkeit: so nennt man ihn Vorzugsweise entc ehrliche Haue/ und alsdann wird ein Theil vom ganzen Menschen. Man könnte noch eben dieser tropischen Redensart, eine Person, die keine andern Vorzüge gl- Schönheit bestzt- gleichfalls Vorzugsweise eine schöne Haut nennen,
Welt.
Es ist fast kein Wort, welches im gemeinen Leben so wenig in seiner eigentlichen Bedeutung genommen wird # als dieses; und es wird fast beständig das Wort Welt durch eine sehr starke Hyperbel für einen geringen Theil der Welt genommen. Z. E. in den Redensarten: sich um die welk verdient machen, die welk durchreisen/ die Welt kennen.
-Br * Pie


