Ausgabe 
4.4.1775
 
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Wochenblatt« 107

Edelsteine zurück. Der Deutsche liebt alles auswärts verfertigte, und der Ruße haßte es ehmalen.

Einige Völker glauben berechtigt zu seyn ihren Feinden grausam zu begegnen, andere sind gelinder. Der ehmalige Römer war gütig gegen feine Feinde, der Chartbagmeser barbarisch und grausam. Der gesittete Europäer lößt seine Gefangene aus, der Asiate macht sie zu Sclaven,und der wilde Amerikaner frißt sie. Der Engländer vergiebt seinem Feinde aus Großmuth, und der deutsche bey einem Gastmahs. Der Franzose trägt es ihm nach und rächt sich durch übele Nachreden. Der Italiener verbirgt feine Rachbegierde, und schickt ihm Meuchelmörder nach.

Auch in Absicht auf die bürgerliche Verfassung sind die Urtheile der Nationen verschieden. Das eine Volk ist zur Freyheit oder gar Unbän- digkeit, das andere zur Unterwürfigkeit und Sclaverey geneigt. Der Brit- le, Schwede und Polacke hält die Freyheit für sein höchstes Gut. Das thut auch der Holländer und Schweitzer der Ruße und Franzose liebt oa- gegen eine souveraine Regierung. Soweit man in der Geschichte hinauf­steigen kann, findet man immer, daß der Einwohner des südlichen Asiens sklavisch und weibisch, per Tatar hingegen frey ist.

Alle Volker haben die Nothwendigkeit eines -Oberhaupts in ihrer Gesellschaft erkannt, um die unter ihnen entstandene Streitigkeiten beyzu- legen, und sie bey wichtigen Vorfallenheieen , insonderheit Kriegen anzu­führen. Hier zeigt sich die Verschiedenheit der Gesinnungen in einem sehr hohen Grad. Die iene Nation erwählt dazu das ganze Volk, und es wird alles nach der Mehrheit per Stimmen entschieden, die andere allein die Vornehmsten und Aeltesten des Volks, und die dritte gar nur eine ein­zige Person. Der Römer fiel nach und nach auf die Demokratie, der Venetianer auf die Aristokratie, der Franzose auf die Monarchie, und der Engländer baute sich eine aus diesen dreyen zusammengesezte Regiments­form. Der Türke und Persianer gerleth unter den Despotismus. Er erträgt sein Joch zuweilen gedultig, aber er schweift auch eben so oft in Rebellionen aus.

Was die häußliche Verfaßung betrift, so beharren viele auf alten Gebräuchen und andere sind unbeständig und fiatterhast. Die alten Deut-

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