Ausgabe 
31.5.1774
 
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*7* Wochenblatt.

cker schwarzer Stein, von welchem die Türken vergeben, daß er vom Himmel gefallen, und anfänglich weiß, nachher aber durch die Sünden der Menschen lchwarz geworden sw. Derjenige, welcher bey dem Ein­gänge, nachdem sie sich einander, nach verrichtetem Gebet, dasSelams) gesagt haben, diesen Stein zuerst küsset, wird für einen Heiligen gehal­ten, und jedermann bemühet sich, ihm die Füße zu küssen ; er wird aber oft von der großen Menge Menschen, die sich zu ihm drängen , ersticket. In diesen geheiligten -Ort kommt man des Jahres vier mal. Unter an­dern auch zur Zeit des Aamadans b). Die Caravanen pflegen ihre Reise so einzurichten, daß sie gegen diese Zeit in Mccca eintreffen. Diese Rraabe wird jährlich mit neuen Stoffen, welche der Großherr und die andern mahometanischen Fürsten dahin schicken, von außen ganz bedecket. Die alten werden dem Großherrn zurück gegeben, wenn das kleine Bm- ramfest c) auf einen Freitag fällt; in den Jahren aber, da dieses Fest nicht auf einen Freitag fällt, nimmt der Sultan Shenf das Gold her­aus, schneidet die Stoffe in Stücken, und verkaufet sie als Reliquien für einige Sequinen. Der Sultan Shenf ist der Befehlshaber zu Mec- ca; er ist sehr mächtig und reich, und weiß den Pilqrimmen durch tau­senderlei Erfindungen, unter dem Vorwande der Frömmigkeit, vieles Geld abzulocken.

Die Pilgrimme gehen nach tYXecca/ entweder um der Frömmigkeit, oder um des Handels willen, und um Waaren daselbst einzukaufen /oder um der Straft, die sie sonst wegen eines großen Verbrechens verdienet hät­ten, zu entgehen; denn diese Reise macht einen jeden von seinem Verbre­chen frei und ehrlich. Ob gleich die Absichten dieser Reise verschieden sind, so wird sie doch von allen mit der größten , obwohl auch ost verstellten, Andacht verrichtet; denn man thutauf dem ganzen Wege nichts, als sin­gen , beten und Alkmosen geben. Zwei Tage vor der Ankunft in Mccca ziehet sich jedermann bey einem Ott, Radak genannt, nackend aus, und bedecket nur die Schaam und den Hals mit einem Tuche. Dieses thun sie aus Ehrerbietung; und damit sie die heilige Erde nicht beflecken, gehen sie

a) Selam ist so viel als ein Gruß.

b) Ist ein Monat in welchem die Türken täglich von Aufgang der Sonnen bis in die Nacht ein gänzliches Fasten beobachten.

e) Bairam ist die Zeit, welche nach dem großen Fasten einfällt, da sich jeder­mann fein lustig macht.