Ausgabe 
29.11.1774
 
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Wochenblatt.

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wird über verdienstvollerr Männer erhöhet, mit Rang und Titeln beehret. Erscheint in dem Geprang eines glänzenden Auszugs , sicht mit emer stol- ren Zufriedenheit auf seine niedere Brüder herab, hört mit freudigem Vel- fali die verschwendete Lobsprüche,- wodurch hülfsbedürstrge Klienten ferne Gunst und Gewogenheit erstehen, ^n glaubt er mir rühmlichen Schnt- ten auf der Bahn der edelsten Freiheit einherzugehen. Und bald stürzt ihn ein unverhofter Zufall in den Staub der Verachtung, und daö Schatten» bild seiner eingebildeten Freiheit verschwindet.

Der Haabsüchtiqe versagt sich mit unerbittlicher Harte die erlaubte Vergnügungen und Bequemlichkeiten dieses Lebens , verlest die heiligste Pstichten der Menschheit, stürzt sich in drohende Gefahren, sezt aufs Un­gewisse mühsam erworbene Summen aus , um grösre zu gewinnen. Seine eigennützigen Absichten gelingenihm. Nun glaubt er ausderStu- fe der Freiheit zu stehen. Und was ist seine Freiheit . Em mühsam er­worbenes Guth, welches er^mistrauisch verschliefet, das weder ihm, noch andern nüzt und nur seine Sorgen vergrösert.

Derwottüstige Verschwender entzieht sich denen Geschäften seines Be­rufs, eilt hin in die Umarmungen der Wollust, und m die Versamlungen taumelnder Brüder, berauscht von tollem Vergnügen beengt er nm|Iam» E 8w%?fitoe «teibeieJ öic Die edelste Kräfte seines Geistes betäubet und die Säfte seines Körpers vergiftet und ihn mit Hohn und Verach­tung belohnet.

Dürfen wir und bei einer solchen Verblendung und bei der Wahl so thörichter Mittel über die Klagen unserer Brüder verwundern, über die Klagen ihrer unbefriedigten Sehnsucht nach Freiheit:? Nein! wir müs­sen vielmehr das kränkende Urtheil über sie sprechen: Sie entziehen sich selbst das edele Guth / dessen Besitz ihre irdische Lebenstage bealücken würde. Sie sind selbst ihre Tyrannen , und werden eS blei­ben, so lange sich ihr Verstand nach dem Urtbcil sinnlicher Triebe und ei­ner täuschenden Einbildungskraft richtet, so lang sie das Licht einer aufge­klärten Vernunft und das noch höhere Licht einer göttlichen Erleuchtung ' verachten, und die sicherleitende Mittel verschmähen, die sie uns darlegen.

Eirr-

F.