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eine so schöne Gelegenheit ergreiffen die wahre Frömmigkeit zu verspotten; wenn Sie wahrnimt daß eine so fromme Frau, wie Julia sein will, dennoch so tadelsüchtig und boshaft ist.
Eusibia ist über alle Maßen andächtig: sie bringet die meiste Zeit in der Einsamkeit mit Gebet und Seufzen zu, und eilet von einer Uebungder Gottseligkeit zur andern. Das Fasten ist ihrer Meinung nach eine der wichtigsten unter allen Pflichten der Christen: deswegen halt Sie sehr oft Fasttage, und schwächet dadurch sowohl ihren Lew als ihren Verstand. Sie ist eine große Liebhaberin von Gebetbüchern: und komt nicht eher aus ihrer Kammer bis sie das im Buche vorgejchriebene Gebckzu Ende gebracht; und wenn auch alles im Hause in Unordnung gerathen solte. Wenn ihr Eusibren kurz vor den hohen Festtagen, oder in der Woche darin Sie sich zum Abenömal vorbereitet, erblicken sollet; so würdet ihr zum Mitlei- den bewogen werden; so viel Furcht uno Angst stehet sie alsdenn aus Sie wird durch den geringsten Zufall beunruhigt, und kann sich über die nichts- würdigsten Dinge nicht zu fried eu geben. Sie ist allen denen die um sie sind eben so verdrüsiich als sich selbst. Sie macht sich über alles ein Gewissen, und quälet sich mit tausend abergläubischen und traurigen Gedanken. Sie har keinen frohen Augenblick und kann in keiner Sache ein Vergnügen finden. Die wahre Ursach davon ist, weil Sie durch das unausgesetzte und überhäufte Lesen in dunkeln Mystischen Schriften und ekelhaften Gebetbüchern ihre Lebensgeister verzehrt, und sich halb sinnlos gebetet hat. Eusibia ist sehr bekümmert weil Sie stehet daß ihre Rinder nur wenigen Geschmack an der Andacht ihrer Mutter finden. Allein was ist dieses Wunder da Sie ihnen beständig ein Bild der Gottesfurcht und Andacht vor Augen stellt, das ste nothwendig Niederschlagen undIhnen Ekel erwecken muß. Wahrhaftig! entweder Eusibia har den wahren Geist der Andacht nicht; oder es ist kein Wunder, daß die meisten Menschen alles was andächtig klinget, so sehr verabscheuen.
Dieses sind einige von den falschen Arten der Religion welche unter Leuten von erhitzter Einbildungskraft unter den Namen der Frömmigkeit herumgehen. Ich solte nunmehrv einen Abriß von der wahren Gottseligkeit geben, und zeigen worin das rechte Wesen derselben bestehe. Allein ich besorge dero Leser ungeduldig zu machen. und will es daher bis zu einer andern Zeit aufschieben. Jtzo will nm noch überhaupt anmerken, daß die wahre


