Ausgabe 
22.3.1774
 
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94 Wochenblatt.

Mit gkücklichrrn Wohnung vorbereitet hatte, zu ihrer freundlichen Mutter der Erve zu dringen.

Ein so erbärmlicher Aufzug setzte mich dergestalt in Erstaunen, daß ich mich lange Zeit nicht wieder besinnen konte. Als ich mich endlich wieder er­holet/ sprach ich zu mir selbst: Ist es nicht eine Schande, so offenbarer Weise in einem christlichen Reiche, trotz allen Gesetzen Gottes und der Na­tur, Mord und Todschlag zu begehen?'Ich veckohr ferner keine Zeit bei der Frau wegen des jungen Menschen, den ich bei mir hatte, und den sie ball) wieder erkannte, Nachricht einzuziehen. Nachdem ich alles erfahren, was ich von ihr konte, ging ick zu den Kicckenvorstehern, die ihr zuerst Oenftldm gebracht hatten. Hier fand ich bei einer genauen Untersuchung, aus unlaug- baren Umständen, daß ein gewisser Derr von hob-n Range und großen Gütern diesem unglückseligen das Leben oder die Wmcklichkur gegeben. Ich habe die Ebre mit diesem Derrn vertraut umzugehen. Iw werde daher die erste Gelegenheit ergreiffen, ihm den Zustand seines unglücklichen aber würdiget; Sohns vorzustelien, und denselben ferner Vorsorge aufs beste zu empfehlen.

Man mag es mir nun auslegen wie man will, so muß ich dock nach dieser wahrhaften Eczehlung das kläglichste Schicksal so vieler armen Ge­schöpfe beklagen, die auf solche Art in dre Welt gemorsten werden, alle di- traurigen Folgen des Mangels und der Dürftigkeit empfinden, und ohne daß sie es verdienen, der Gegenstand der Sckwach und Verachtung ftm müs­sen. Das Kind ist verdamme zu leiden und zu dulden : der Vater halt seine Schande verborgen, unterdrücket alle Regungen der Natur, und ist bei dem Elende seines eigenen KmdeS ohne Kummer. Wie erschrecklich wird nicht bas Gewissen, wenn es einmal auswacken folte, einen solchen unnatürlichen Vater foltern? Was für Ruhe wird er finden, wo er nicht alles thut, was in seinem Vermögen, den Jammer, davon er die Ursach gewesen, zu vergüten ?

Einige werden von der Nothwendigkeit und von grosser Armuth ge­zwungen , ihre Kinder auszuletzen. Allein em begüterter Mann, .ctr in An­sehen und Ueberfiuß lebet, wenn der sein eigen Fleisch verlaugnet, wenn der zugiebt, daß ein Geschöpf, von dessen Unglück er selbst der Urheber, m Mangel und Elend lebet, wenn der die Ohren von der Stimme der Na­tur verstopfet, seinHmverschlieffet, und dre Nothwendigkeuen des Lebens ; entziehet.