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6L Mochenblatt»

Verwirrung. Zwanzig Regeln und Bemerkungen gehören zum Exempel in einer Abhandlung über das Trauerspiel zur Aeßthetick, weil sie eben so gut in einem Gemahlde oder in einer Rede, als in einer Tragödie befolgt werden müssen. Noch zwanzig andere gehören in die allgemeine Dicht­kunst, indem sie bey dem Lustpier oder dem Heldengedicht eben so wohl statt finden, als bet; der Tragödie. Kaum fünf bleiben übrig die dem Trauer­spiel eigen sind, und weil diese bloß auS den Mustern der Griechen abgezo­gensind, so sind sie wieder nicht immer richtig genug : denn sie erstrecken sich nur auf Diejenige Arten von Trauerspielen , darinnen uns diese Beyfpiele hinterlassen haben, und helfen das Voruttheil befestigen, daß alles unrich­tig und ungereimt seye, was nicht hiermit übereinstimmt, da doch noch mancherley Arten von Abänderungen möglich sind- wovon jene nicht gerat) gedacht haben, und bey Denen also gar wohl eine Ausnahme oder Ein­schränkung der festgesetzten Regeln statt finden kann. Hierdurch hat man die Genies über die Gebühr in allzuenge Gränzen emgeschlossen und nicht bedacht, daß etwas schön und bewundernswürdig seyn könnte, was nicht gerad das griechische Gepräge an sich trüge. Noch eine Schwürigkeitfin- tet sich in dem Unterschied der Sinnen, für welche die schöne Künste ar­beiten. Gesicht und Gehör sind zwey ganz verschiedene Dinge, und ob­gleich das allgemeine bey den Empfindungen , die von ihnen herrühren ei* mrley seyn mag, so ist doch in Der Art und Weiße, wie uns diese Empfin­dungen rühren, ein so großer Unterschied, daß es fast unmöglich scheint,sie beyderseits unter allgemeine Regeln zu ziehen. Mahlerey, Bildhauer-und andere Künste, Die sich auf Die Zeichnung gründen , sind daher nicht so schwer unter einander zu vergleichen, als wenn man eine von ihnen mit Der Musick zusammenhält. Es ist unmöglich, daß ein Farbenclavier, es- ste Denn seiner Neuheit wegen seyn, uns ein solches Vergnügen verschaffen kann, als ein gutes Stück in Der Tonkunst. Regeln, Die vor die eine Art von Werken vortrefiich sind, auf eine andere Art hinüber zu tragen, ist daher sehr schwer, und das Allgemeine von beyden zu finden, vielleicht noch schwerer. Die schönen Künste würken eigentlich und geradzu auf Die äußerliche Sinnen, und die Lage der Seele, und die Bewegungen, die sie in denselben hervorbringen, sind nur eine Folge davon, und fast möch­te ich sagen, etwas zufälliges. Wenigstens ist ihre unmittelbahre und näch­ste Absicht, bloß das Vergnügen des Ohrs und deS Gesichts zu beför­dern, wiewohl es ihnen nicht zuwieder ist, wenn sie hernach auch bi Sin das innere der Seele Dringen können: Die schöne Wissenschaften als nemrich Bered-