Ausgabe 
20.12.1774
 
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40 £ wochmblatt'

war. Nun er sich einmal durch das Thal hinduxchgearbeitet hatte, ward er glücklich, weil er mit Hofnung vorwärts sähe.

So der Aufenthalt deS Menschen in dieser Welt! - er dauert nur eine kurze Zeit - der Weg den er durch dieselbe macht, sey mit Blumen oder Dornen überstreut - wenn er nur merket, daß er sich auf demselben jenen seligen Gefilden nähert, in welchen die Dornen und Blumen dieser Wildnis ihren Unterschied verlieren, und wo beyve weder Lust noch Schmerz gewähren können.

Was hat denn nun die ewige Weisheit ungleich ausgetheilt? Nur die Tugend macht'S, daß wir in jedem Zustand des Lebens glücklich sind - aber ohne sie ist man auch in jedem Zustand elend - die Tugend aber ist allen Menschen möglich. Gedenke, Almet, an die Erscheinung, die du gesehen hast, und laß meine Worte in das Innerste deines Herzens ge­schrieben seyn, damit du den Wanderer auf den Weg zur Glückseligkeit führen, und Gott bey den Menschen rechtfertigen mögest.,,

Meine Ohren tönten noch von der Stimme Azorans, als das Ge- sichte von meinen Augen verschwand, und ich gewahr wurde, daß ich wie« der an der Pforte der Moschee saß. Die Sonne war untergegangen, das Volk hatte sich zur Ruhe begeben, und die feyerliche Stille der Mit­ternacht kam meinem Entschlus zu Hülfe die Bestürzung fahren zu lassen, und die Ruhe wieder völlig in meiner Sele herzustellen.

Das - mein Sohn - war das Gesichte, welches mir der Prophet zeigte, nicht allein meinet - sondern besonders um deinetwillen. Du hast groseS Glück in irrdischen Dingen, und deswegen hat dich die Hofnung getauscht. Laß die Unterweisung nicht an dir verloren seyn, sondern gehe deinen Weg, und bedecke den Nackten mit deinen Kleidern, und sättige den Hungrigen von deiner Tafel; befreye den Elenden von Der Unterdrü­ckung, und laß deinen Wandel im Himmel seyn. So wirst du dich in der Hofnung erfreuen und auf das Ende des Lebens, alö. auf die Vol­lendung deiner Glückseligkeit Hinsehen.

Almer