Ausgabe 
15.3.1774
 
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MochenbZatr.

Inzwischen mußte er nach Genua gehen, die Beschaffenheit der Ent- wichMn zu untersuchen, da Orsillo nach Venedig reifete, selbst zu sehen, ob nicht dort noch etwas von seinem Vermögen zu retten wäre. Ange­lina begleitete sie mit Thränen Und Wünsche», welche allemal DieZußuchL der Unglücklichen sind»

Doch die Vorsehung hatte beschlossen, die Tugend dieses Schönen zu belehnen. Em reicher Vetter, der nicht weit von Neapolis auf dem Lande wohnete, und der sich bisher mit einer verächtlichen Kaltsinnigkeit wenig um den Fabio bekümmert hatte, ward gefährlich krank. Man kün­digte ihm an, daß er sterben müßte, und diese Nachricht brachte chn auf die Gedanken, wenigstens einmal in feinem Leben großmüthig zu handeln. Er ließ den Fabio mit seiner Tochter zu sich holen, errichtete seinen letzten Willen- und fetzte die Angelina zur Crbinn von seinem ganzen Vermögen ein. Es schien, als wenn er nur so lange leben sollen, bis er dieselbe ver­sorget hatte; denn kaum war dieses Testament zu Stande gebracht, so schloß er die Augen zu.

Fabio besorgte das Begrabniß des Verstorbenen; er nahm hierauf «nn der Verlassenschafc mir der Angelina Besitz, und verfugte sich sodann wieder mit ihr in die Stadt.

So bald dieses geschehen war, so schrieb Angelina an den Orsillo und an den Antonio, daß sie sich durch nichts möchten abhalten lasten, zu ihr nach Neapolis zu kommen, weil sie von den wichtigsten Sachen nut ihnen zu sprechen hatte. Sie stelleten sich beyde ein, und Angelina redete sie nach derfrcundiichsten Bewillkommung mit diesen Worten an: Ich bin noch von der Art gerührek, Orsillo, mit Der ihr mich zu eurer Tochter an­genommen, und ich liebe euch diesen Augenblick nicht weniger, Antonio, als da ich euch zum erstenmal die Versicherung von meiner Liebe gab. Ich war arm, und ihr ertheiletet mir doch den Vorzug. Gegenwärtig muß ich euch zeigen, daß ich nicht unerkenntlich bin. Der Tod eines reichen Vetters hat mich in den Besitz eines ansehnlichen Vermögens gesetzet. Theilet dasselbe mit meinem Vater und mir. Ich begehre noch das Bünd- rstß mit dem Antonir zu vollziehen, welches wir ehedem geschloffen haben, und er ist mir durch sein ausgestandenes Unglück noch schätzbarer geworden.

Wer will die Bewunderung und Die Zärtlichkeit ausdrücken, in wel­che Antonio durch diese großmürhige Erklärung gesetzet wurde. Ich be­gnüge