Wöchettblate.
ave Gedancken oder in der Mahlerey alle Figuren, oder ihre einzelne Thei- le in einem gleichen Licht glanzen dürfen, eben so wenig dürfen m derMi^ ficf alle Töne gleich siarck, und in der Tanzkunst alle Bewegungen gleich rechend und rührend seyn; sondern es müssen die Hauptstücke einer Vorstellung einen gewissen Vorzug haben vor ihren Nebentherlen, die entweder bloß zum Zierrath, oder doch nur zur Vorbereitung der Haupttheile dienen. Aber wie brückt man sich aus, daß die Begriffe zu gleicher Seit deutlich und in einer jeden schönen Kunst fruchtbahr genug sind ? In der Bered- samkeit und Poesie unterscheide ich, wiewohl mehr m der ersten, als in der ebtern Gedancken und Ausdruck von einander: in der Mahkrey geht es auch an, nur daß man die Gedanken mit dem Nahmen der Zeichnung belegt hat. Allein wie schwer ist dieser Unterschied unter Gedancken und Ausdruck in der Musick, und wie viel schwerer noch in der Tanzkunst anzuwenden ? Man spricht in der Mahlerey und einigen andern schonen Künsten sehr viel von einer so genannten Grazie, und dieses nicht mit Unrecht. Allein waS muß ich eigentlich dencken, wenn das Wort in der Beredsamkeit oder Poesie gebraucht wird? Ich fühle etwas ähnliches, das gestehe ich, aber ich ldencke es nicht in dem gehörigen Grad der Deutlichkeit. <^cb weiß wohl was die Wahrheit in der Dichtkunst, und allenfalls auch in der Mahlerey lst. Aber was ist sie in der Tanz oder Tonkunst ? Wenn ich etwas dabey dencken soll, so mus es wenigstens etwas ganz anderst seyn, als dasjenige, so ich mir bey den angeführten Künsten vorgestellt habe,
Der arösik Theil von Begriffen und Redensarten, der man sich bisher in der Äeßthetick bedient hat, sind demnach noch nichts weniger als allgemein genug: und wie können eS also die daraus abgeleitete Regeln seyn. Welch eine sorgfältige Vergleichung aller einzelnen Materien muß mcht noch voran gehen, ehe man bis zu dem Allgemeinen gelangen kann? Und wenn man richtige Begriffe und Regeln gefunden hat, wo bekommt man die Ausdrücke her, die kurz genug sind , um uns aller weitläufigen Umschreibungen und Vergleichungen, um uns aller Sprünge aus einer Kunst in die andere, aller metaphorischen Redensarten, bey welchen man oft zu viel, oft zu wenig und noch öfter gar nichts zu denken pflegt, zu uberhe- ben? Und sind sie dieses, so ist hernach doch noch die Frage, ob sie bedeutend genug sind, so daß man dasjenige, was in der Äeßthetick im allgemeinen vorgecragen worden, sogleich auf das Eigenthümliche einer jeden schönen Kunst ohne Mühe und mit Grund airwenden kann ? Das practrsche,
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