Wochenblatt l$7
gen Glückseligkeit schmeicheln, di- di- Erfüllung ihrer Wünsche auf eine «emiffe tyit frstsetzen, die manchmal nahe bei dem bestmiken Ziel derselben, over noch weit davon, umkommen. Aüe beschweren sich über ihre s-hlge, schlagens Hofnungen, alle Klagen/ daß sie nun die Zelt durchlebt hatten/ Vie sie nach dem Schlus des Hlmmels, ohne sie .gehörig zu gewesen/hm- bringen sollten/ daß sie den Hauptzweck des Lebens blS dahm ausgescho/, den hätten, da sie dasselbe verlassen mußten.
Es ist nicht allein ungewis, wie weit wir unsrezur Glückseligkeit oder Weisheit b-stimk« Jahre, durch ein mitso vielen Zufällen und Gefahren verknüpftes Leben bringen werden, sondern es ist auch warscheinlich, daß daS- lenige, was uns j-zt hindert unsre Wichten, di-Vernunft und Gewissen uns vorschreiben, auszuüben, auch in kommenden Zeiten davon unS abhal^ ken werde. Es ist unsrer Phantasie leicht, wenn sie sich mit Dingen, die nicht -ristir-n beschäftiget, Scenen einer reinen Glückseligkeit zu schaffen, oder sich einen Lebenswandel ohne Tadel vorzustellen. Allein Vas Gute und Bös- sind in diesem Leben nie getrennt. Gewohnheiten werden mächtiger durch Nachsicht, und t>ie Vernunft verliert von ihrer Würde, je mehr sie sich von der Versuchung hat überwältigen lassen. Derjenige, sagt Martial, fo heute nickt tugendhaft;u leben tm Stande ist, rvird es morgen viel rve Niger l'cyit. ♦)
Jederman Meint von der Ungewisheit der menschlichen Güter über« «uat zu sevn; und dennoch vermehrt man selbst diese Ungewisheit dmch unnötigen Aufschub, man mag äuserliche Ursachen ansehen, oder die Be- schaff-nheit unsrer Sei« -bttrachten. Derjenige, so zezt einen Trieb in sich fühlt tugendhaft zu leben , der einen vernünftigen Wandel zu füren wünscht, ist nicht gewis, daß er zur andern Zeit auch eben diesen Trieb wieder m sich erwecken könne. Derjenige, der nun Gelegenheit hat, sich von Lastern und Thorheiten loszureisen, kann nur das wissen, daß erhinfüromehrwer-
*) Non bene diftuleris videas, quae pofte negari j Et folum hoc ducas, quod fuit, esse tuum.
Non cd, crede mihi, fapientis dicere: Vivamt Sera nimis vita eft craftina *■> wut hodit.
libr. f, XVL


