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z-4 Wochenblatt

Fast jedes andere Laster, das die menschliche Natur entehrt, kann durch Beyfall und durch Gesellschaft in der Ausübung desselben, bey Ansehen erhalten werden. Der Zerstörer der Unschuld eines Mädchens, sieht sich von andern beneidet, und wenigstens von den Weibern doch nicht verab­scheuet. Der Trunkenbold findet leicht solche, die sich gleich ihm der lär­menden Frülichkeit oder der todten Unempfindlichkeit wiedmen; seine Siege über Lehrlinge in der Unmäßigkeit erheben, sich als Kameraden seiner Stärke rühmen und mir Vergnügen von den vielen i^'en werden, die eine unglück­liche Nacheiferung zu frühe ins Grab gebracht hat. Selbst der Räuber und der Meuchelmörder haben ihre Nachfolger, die ihre Geschwindigkeit und ihren unerschütterten Much, ihre List beim Plündern und die Treue gegen ihre Bande bewundern.

DerLügner, und allein der Lügner, ist allezeit und überall verachtet, verlas­sen und verworfen. Ihm fehlt der innerliche Trost, der ihm Beruhigung bey dem Urtheil seiner Nebenmenschen über ihn, verschaffen könnte. Er kann sich zu keiner Verbindung begeben, wo man seine Laster für Tugenden hul- te; sondern ohne Freund, ohne Vertheidiger ist er dem Auözischen einer Menge überlassen. DiS ist daS gemeine Schicksal der Falschheit, daß sie der Tugendhafte sowohl, als der Bösewicht in gleichem Grade verabscheu­enDie Teufel/ sagt ein gewisser Schriftsteller,) belügen einander nicht; denn Aufrichtigkeit ist in allen Gesellschaften nothwen- -rg; nicht einmal die Gesellschaft der bösen Geister kann ohne dieselbe hesteheu. u

Man sollte natürlicherweise erwarten, daß jederman ein Laster, wel­ches so algemein verabscheuet wird. vermeiden, oder doch wenigstens ohne dazu durch eine hinlängliche Versuchung gereizet zu werden, einer Schande aussetzen würde, um derentwillen er nicht bedauert wird. Man sollte fer­ner erwarten, daß man nicht leicht einen starken Reiz zu einem Verbre­chen fühlen werde, das so leicht entoekt und so hart bestraft wird. Nichts destoweniger wird öfters die Wahrheit aus Geringschätzung des Tadels und der Verachtung verletzet. Ja die wachsamste und unnachläßlgste Vor­sichtigkeit, wird.denjenigen, der mit Menschen umgeht, kgum davor sichern

) Herr Thomas Brown,